Neue Umfrage vor den Regionalwahlen

In einer neuen Umfrage vor den Regionalwahlen in Belgien wurden die Wähler in Flandern nach ihrer Haltung gegenüber den politischen Schwergewichten befragt. Daraus wurde ersichtlich, dass der flämische Christdemokrat und frühere Premierminister Jean-Luc Dehaene (CD& V) immer noch gut im Rennen liegt. Ihm trauen die Wähler immer noch viel Kraft zu.
Jean-Luc Dehaene ist im belgischen Bundesland Flandern immer noch ein gefragter Politiker. So gut wie jeder der Befragten kennt seinen Namen und die meisten verbinden ihn immer noch mit Kraft, Macht und Einfluss - sowohl in Flandern, als auch auf Bundes- und Europaebene. Seinem CD&V-Parteikollegen Kris Peeters, amtierender flämischer Ministerpräsident, kann dies alles nicht unbedingt nachgesagt werden. Er ist nicht all zu bekannt (nur 55 % der Befragten konnten mit seinem Namen etwas anfangen) und ihm wird nicht die gleiche Kraft, wie Dehaene sie haben soll, bescheinigt.
Von Bart De Wever (Foto), dem Vorsitzenden und Spitzenkandidaten der konservativen Nationaldemokraten N-VA in Flandern, glauben sie Wähler, dass er der ehrlichste Politiker des Bundeslandes ist. Jean-Marie Dedecker, Gründer und Vorsitzender der rechtspopulistischen LDD und als Polterer in den Medien bekannt, gilt als offenster Politiker, doch mit der Wahrheit nimmt er es nach Auffassung der befragten Wähler nicht so genau.
Die Vorsitzende der flämischen Grünen Groen!, Mieke Vogels (Foto), scheint beim Wahlvolk sehr beliebt zu sein. Ihr wird nachgesagt, dass sie am meisten Menschlichkeit vermittelt und wohl die sozialste Einstellung zur Gesellschaft hat.

Zu den anderen Spitzenpolitikern kam nicht so sehr viel Erhellendes aus der Umfrage heraus. Wohl aber muss eine niederschmetternde Politikverdrossenheit konstatiert werden: Die Mehrheit der flämischen Wähler (72 %) misstraut den Politikern. Nur 9 % aller Befragten bescheinigt den Politikern im Land ihr vollstes Vertrauen.

Wie werden die Profile der Parteien bewertet?

Freund und Feind bescheinigen den flämischen Rechtsradikalen Vlaams Belang ein sehr konsistentes Parteiprofil. Hier werde deutlich mit der Angst vor dem Unbekannten in der Gesellschaft gespielt und vor allem verbinden die Wähler die Rechten mit den Themen Einwanderung und Sicherheit. Mit der Staatsreform oder einer erhofften flämischen Autonomie verbinden die Befragten Vlaams Belang allerdings nicht.

Dieses Thema wird vor allem mit der nationaldemokratischen N-VA verbunden. Gerade das Thema Staatsreform gehört hier zum deutlichen Profil. Flanderns Christdemokraten CD&V müssen denn auch fürchten, dass der frühere Kartellpartner N-VA ihr die flämisch gesinnte Wählerschaft abspenstig machen wird.

Ein weiteres Problem der CD&V ist, dass die Christdemokraten derzeit nicht vom einen oder anderen Amtsbonus profitieren können - weder von Landeschef Kris Peeters, noch von Belgiens Premier Herman Van Rompuy. Der CD&V wird in erster Linie Macht und Tradition bescheinigt, seit neustem aber nicht mehr die erforderliche Leadership, die man sonst gewohnt ist.

Auch den flämischen Sozialisten SP.A wird ein Mangel an Charisma und Kraft bescheinigt. Die Sozialdemokraten gelten als Ehrlich, Solidarisch, Menschlich und Freundlich, doch ein klares Profil können sie nicht vorweisen - auch nicht nach vielen Jahren Mehrheitsbeteiligung im belgischen Bundesland Flandern.

Die liberale Open VLD, die mit Ex-Premier Guy Verhofstadt einen starken Mann nach Europa schickt, vermittelt ein deutliches Bild: Sie ist eine klar liberale Partei. Aber, sie gilt nicht mehr wirklich als tonangebend, visionär, jung und charismatisch. Die Visionen eines Guy Verhofstadt verschwinden aus dem flämischen Bild der Open VLD und schwenken in Richtung EU ab.

Zu viel oder zu wenig Profil?

Groen! hat einen schweren Stand. Die flämischen Grünen können von ihren ökologischen Impulsen nicht wirklich profitieren. Die Flamen wollen zwar Nachhaltigkeit und eine saubere Umwelt, sie rufen nach erneuerbarer Energie, doch dazu brauchen sie die grüne Partei kaum. Sie entscheiden selber, was sie wollen und was sie ablehnen. So scheinen sich diese Themen in Flandern zu verselbständigen und brauchen keine politische Bewegung mehr, im dies alles noch durchzusetzen.

Die rechtspopulistische LDD, die Liste Dedecker; hat ein viel zu breites und unkonsequentes Profil. Die noch recht neue Partei wird in erster Linie mit ihren Begründer, dem früheren VLD-Liberalen und ehemaligen Nationaltrainer der belgischen Judomannschaft, Jean-Marie Dedecker assoziiert. Dieser gilt als kraftvoller Politiker und als glänzender Kritiker der traditionellen Parteien, doch als glaubwürdig und ehrlich gilt er nicht besonders. Ein Vertrauensproblem hat diese Partei ohne wirkliches Programm auch durch die Tatsache, dass sie zum Großteil von frustrierten Überläufern aus anderen Parteien durchsetzt ist.

Ein ganz anderes Problem hat die SLP, die neue linksliberale Partei, die aus den Überresten der progressiven Regionalisten Spirit entstanden ist. Die SLP ist fast völlig unbekannt und wird nur mit ihrem schwergewichtigen Vorsitzenden Geert Lambert in Verbindung gebracht. Befragt man in Flandern Wähler nach ihren Befindlichkeiten, dann sind unglaublich viele von ihnen linksliberal, doch kann die SLP daraus keinen Profit schlagen.