Ghislenghien - Prozessauftakt

Bei der schweren Gasexplosion von Ghisleghien kamen im Juli 2004 24 Menschen ums Leben und 132 weitere wurden schwer verletzt. Jetzt, fast fünf Jahre danach, beginnt der Prozess gegen die Verantwortlichen in diesem Fall. Vor Gericht stehen sowohl Ämter und Unternehmen, als auch Einzelpersonen, die vor, während und nach der Explosion ihre Verantwortung vernachlässigten.
Am 24. Juni 2004 beschädigte ein Bagger bei Bauarbeiten eine unterirdische Gasleitung des Netzverwalters Fluxys im Industriegebiet von Ghislenghien bei Ath in der Provinz Hennegau.
Gut einen Monat lang kümmerte sich niemand wirklich um den entstandenen Schaden und am 30. Juli 2004 nahm die Katastrophe ihren Lauf.

Um die Unfallstelle herum entstand Gasgerich, doch das Leck konnte nicht sofort abgedichtet werden. Allerdings gelang es nach einiger Zeit, die Gaszufuhr dicht zu drehen.

Erst nach rund einer Stunde wurde die Feuerwehr von Ath benachrichtigt und als diese vor Ort erschien, war das Chaos perfekt. Ein Evakuierungs- oder Katastrophenplan lag nicht vor.

Dann kam was kommen musste: Das ausgetretene Gas kam zur Explosion. Im Meer der Flammen starben 24 Menschen, darunter auch Feuerwehrleute und 132 weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt und verbrannt.

Die Explosion verursachte eine hohe Stichflamme und die Wucht des Knalls war in 10 km Entfernung noch zu spüren gewesen.

Prozessbeginn nach vier Jahren Ermittlungen

Auf der Anklagebank in Tournai sitzen insgesamt 14 beschuldigte Parteien.
Darunter das Bauunternehmen, dass die fatalen Arbeiten ausführte, ein Architekt, der Sicherheitskoordinator der Industriezone, aber auch Gasnetzbetreiber Fluxys und der damalige Bürgermeister von Ath, der am Tag der Katastrophe nicht erreichbar war und keinen Vertreter benannt hatte.

Für den Prozess in Tournai ist ein halbes Jahr Verfahrenszeit anberaumt worden, doch Beobachter gehen von Verzögerungen aus, da einige der Angeklagten kaum Zeit hatten, ihre Verteidigung ausreichend vorzubereiten.

Die Ermittlungsakten umfassen etwa 40.000 Seiten. Auch darum bat die Verteidigung um mehr Zeit, das Verfahren vorzubereiten. Die Richter gaben dem statt und verschoben den Prozess um zwei Wochen. Für die Opfer bedeutet dies ein weiteres Warten in Ungewissheit.

Die Frage der Entschädigungen

Unter dessen haben die meisten Opfer der Explosion und deren Angehörige teilweise finanzielle Hilfe erhalten, doch dazu musste eine Stiftung ins Leben gerufen werden.

Insgesamt sind neun Versicherungsgesellschaften mit dem Fall befasst. Sie trafen sich im Vorfeld des Prozesses, um den am schwersten geschädigten Opfer noch vor dem Urteilsspruch helfen zu können.

Die Krux dabei ist, dass Opfer, die auf die Angebote ihrer Versicherungen eingehen und ausbezahlt werden, später keine Entschädigung mehr bei den Verursachern einklagen können.