Transsexuelle in Belgien

Letztes Jahr haben 74 Belgierinnen und Belgier offiziell ihr Geschlecht verändern lassen, körperlich und auch bürgerlich. Diese Zahl wurde nach einer TV-Reportage des VRT-Nachrichtenmagazins „Koppen“ bekannt.
51 Männer entschieden sich vergangenes Jahr dafür, Frau zu werden und 23 Frauen ließen ihr Geschlecht in ein männliches umwandeln. Gleichzeitig ließen sie ihr Geschlecht auch offiziell im Bevölkerungsregister ihrer Heimatstadt oder -gemeinde ändern.
„Koppen“, das Nachrichten- und Reportagemagazin des öffentlich-rechtlichen Rundfunks des belgischen Bundeslandes Flandern sprach mit zwei Landsleuten über deren Geschlechtsumwandlung und informierte sich im Zuge der Recherchen auch über die offiziellen Zahlen in diesem Bereich.

Im Vergleich zu 2007 stieg die Zahl der Geschlechtsumwandlungen in Belgien um in etwa das Dreifache von 23 Vorgängen auf 74 in 2008.

Dieser signifikante Anstieg ist auf eine Gesetzesänderung zurückzuführen, die es den Betroffenen leichter macht, diesen Schritt auch offiziell zu unternehmen.

Bisher musste ein Gericht ein Urteil zu Geschlechtsumwandlungen fällen, bevor es einem oder einer Betroffenen möglich gemacht wurde, diesen Schritt auch amtlich zu vollziehen.

Heute genügt den Ämtern eine ärztliche Bescheinigung, um das Bevölkerungsregister, bzw. den Ausweis eines oder einer Betroffenen anzupassen.

Die Niederländer gehen noch weiter

In den Niederlanden liegt ein Gesetzesvorschlag vor, nach dem Transsexuelle oder Personen, die ihr Geschlecht umwandeln lassen wollen, dies verwaltungsmäßig tun können, ohne einen wirklichen medizinischen Eingriff vollzogen zu haben.

Ob dies auch in Belgien, oder spezifisch auch in Flandern so zum Tragen kommen kann, bleibt fraglich. Jüngsten Umfragen der Universität von Antwerpen zufolge ist das Tabu zu diesem Thema hier noch immer sehr groß.

Einer von vier sogenannten „Transgenen“ oder Transsexuellen, die eine effektive Geschlechtsumwandlung erwägen, sieht von diesem Schritt schon aus familiären Gründen ab.