Spitzenpolitiker Karel van Miert tot

Van Miert war einer der prominentesten sozialistischen Politiker Flanderns nach dem Zweiten Weltkrieg. Von 1989 bis 1999 gehörte er der EU-Kommission an. Er stürzte am Montagabend in seinem Obstgarten von einer Leiter.
Karel Van Miert hatte nach einem Studium der politischen Wissenschaften seine berufliche Laufbahn 1968 als Mitarbeiter des EU-Kommissionsvizepräsidenten Sicco Mansholt begonnen.
Anschließend war er als Vorsitzender der flämischen Sozialisten in der belgischen Innenpolitik tätig. Van Miert verschrieb seiner Partei einen offensiven Reformkurs und engagierte sie Anfang der 80-ziger Jahre in der Friedensbewegung.

Van Miert war ein überzeugter Gegner der NATO-Nachrüstungsbeschloss und der Stationierung der neuen US-Atomwaffen in Europa. Damit erschloss er seiner Partei viele neue Wähler.

Kommissar

In den ersten fünf Jahren in der EU-Kommission war er ab 1989 für die Bereiche Verkehr, Kredit und Investitionen zuständig, anschließend für die Wettbewerbspolitik.

Vor allem als Wettbewerbskommissar trat er mit Entscheidungen für mehr Konkurrenz ins Licht der Öffentlichkeit. Seither war Van Miert Professor und zeitweise Rektor an der angesehenen niederländischen Wirtschaftsuniversität Nyenrode.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso würdigte den Flamen Van Miert am Dienstag als „überzeugten und engagierten Europäer“.

„Er hat immer die soziale Funktion des Binnenmarktes betont“, hieß es im Nachruf Barrosos. Ihm sei es stets darum gegangen, die Schwächsten gegen die Stärksten zu schützen. Den Binnenmarkt habe er als „Projekt im Dienst der europäischen Bürger“ gesehen.