Antwerpen: Kopftuchstreit eskaliert

Im Königlichen Atheneum von Antwerpen kam es während einer öffentlichen Informationsveranstaltung über das Verbot politischer und religiöser Verbote in der Schule zu hitzigen Diskussionen.
Erst erläuterte Direktorin Karin Heremans, warum sich zwei staatliche Schulen in Antwerpen für ein generelles Kopftuchverbot entschieden haben, das in den meisten anderen Schulen Antwerpens bereits gilt.
Mit dem Verbot solle der Gruppenzwang unterbunden, der auf die Moslemschülerinnen ausgeübt werde, ein Kopftuch zu tragen. Die mehr als 500 anwesenden Schüler, Eltern und Sympathisanten reagierten auf die Ansprüche mit lauten Buh-Rufen.

Iman Nordin Taouil, der Vorsitzende des Moslemrates, kritisierte danach die Entscheidung der Schulleiterin vehement. Er nannte das Kopftuchverbot eine „organisierte Diskriminierung“ und forderte vom nächsten flämischen Bildungsminister Initiativen zur Verbesserung der Rechte der flämischen Moslems, ansonsten drohe eine Radikalisierung.

„Kinder zuhause lassen“

Dann ging Iman Taouil noch einen Schritt weiter: er forderte alle Moslemeltern in Flandern auf, ihre Kinder im September nicht mehr zur Schule zu schicken. Andere Moslemvereinigungen schlossen sich dem Aufruf nicht an.

Die konservativ-nationaldemokratische Partei NV-A, die momentan in Flandern Koalitionsgespräche führt, nannte den Aufruf des Antwerpener Imams „unverantwortlich“.

Der Imam fordere Rechte ein, aber es gebe auch andere Rechte, wie die von Kindern auf einen Unterricht, sagte der NV-A-Vorsitzende De Wever.

Die grüne Politikerin türkischer Abstammung, Meyrem Almaci, warf dem Verbot vor, dass es vor allem die Mädchen treffen werde. Wenn sie durch die Moslem-Macho-Kultur zum Tragen gezwungen würden, und die Schule verbiete dann das Kopftuch, dann würden die Eltern eine andere Schule suchen. Das Kopftuchverbot ändere nichts am eigentlichen Übel, dem Gruppenzwang zum Tragen eines Kopftuchs.