Elf Belgier bei der Tour de France

Mit der erst spät eingetroffenen Starterlaubnis für Tom Boonen haben am Samstag elf belgische Radsportprofis in Monaco die Tour de France in Angriff genommen. Mit je vier Fahrern stellen die beiden belgischen Mannschaften QuickStep und Silence-Lotto die größte Zahl an Landsleuten im Peloton.

Tom Boonen (QuickStep)

Der frischgebackene belgische Straßenrad-Landesmeister Tom Boonen hat sich seine Startberechtigung für die diesjährige Frankreichrundfahrt vor Gereicht erstreiten müssen. Wegen wiederholtem Kokain-Missbrauch außerhalb des Renngeschehens wollte ihn Tour-Veranstalter ASO nicht dabei haben. Er passe nicht mehr in das Image der Tour hieß es dort.

Doch Boonen und seiner QuickStep-Mannschaft gelang die Startberechtigung „in extremis“ buchstäblich am letzten Tag vor dem Start. Tom Boonen ist als einer der besten Sprinter als mehrmaliger Etappensieger vorgesehen und auch kommerzielle Gründe verlangten quasi eine Startpflicht, denn er ist bei internationalen Werbekampagnen des Bodenherstellers QuickStep dieses Jahr das Aushängeschild…

Stijn Devolder (QuickStep)

Vergangenes Jahr sollte Stijn Devolder für sein Team in die Top 10 bei der Tour fahren, doch er enttäuschte und gab während der 15. Etappe auf.

Dieses Jahr erwartet Teamchef Patrick Lefevere wieder viel von dem 30jährigen. Da QuickStep keinen im Team hat, der in Richtung Gesamtwertung fahren kann, ist Devolder jetzt freier.

Bei QuickStep erwartet man allerdings schon in der ersten Woche gute Resultate. Zudem kann Stijn Devolder durch den Tourstart von Tom Boonen als Edelhelfer auftreten.

Sébastien Rosseler (QuickStep)

Sébastien Rosseler nimmt in diesem Jahr zum 3. Mal an der Frankreichrundfahrt teil. In den vergangenen beiden Jahren strandete er jeweils um den 100. Gesamtrang.

Dieses Jahr soll der passionierte Zeitfahrer Tom Boonen bei der Vorbereitung von dessen Sprints helfen.

Rosseler begann seine sportliche Laufbahn übrigens nicht als Radsportler, sondern als Fußballer. Erst im zwölften Lebensjahr wechselte er von den Fußballstollen auf das Rennrad

Jurgen Van de Walle (QuickStep)

Van de Walles Jugendtraum, einmal die Tour de France mitfahren zu dürfen, erfüllte sich erst im vergangenen Jahr. Da war er schon 31 Jahre alt. Jurgen

Van de Walle ist kein echter Siegertyp, denn dem einstigen belgischen Juniorenmeister gelang erst ein einziger Profisieg 1995 beim Kriterium von Oostrozebeke.

Jurgen Van de Walle ist aber jemand, der einer Mannschaft und seinen Spitzenfahrern als Unterstützer zur Seite steht, ein regelrechter „Knecht“. Dabei macht er seine Sache sehr gut und er ist verlässlich.

Jurgen Van den Broeck (Silence-Lotto)

Van den Broeck ist in diesem Jahr zum ersten Mal dabei. Nach seinem 7. Gesamtplatz bei der Giro d’Italia letztes Jahr gilt er als große Hoffnung im belgischen Radsport. Nun soll er auch bei der Tour de France einen der vorderen Plätze belegen.

Jurgen Van den Broeck soll auch seinem Mannschaftskollegen, dem Australier Cadel Evans zur Seite stehen, denn nach dessen zweitem Platz in den vergangenen beiden Jahren soll er jetzt gewinnen.

Bei der Dauphiné Libéré ist ihm das gelungen, denn Evans wurde auch dort Zweiter – mit großer Hilfe Van den Broecks.

Johan Vansummeren (Silence-Lotto)

Der fast zwei Meter große Radprofi Johan Vansummeren hat bei der diesjährigen Tour de France eine ganz spezielle Aufgabe.

Aufgrund seiner Länge soll er Favorit Cadell Evans in den Flachetappen Windschutz bieten.

Vansummeren ist ein klassischer Leutnant und Helfer. Der 28jährige nimmt dieses Jahr zum 5. Mal an der Frankreichrundfahrt teil. Als Profi gelang ihm erst ein einziger Sieg, doch kein geringer: Er gewann 2007 die Polenrundfahrt.

Greg Van Avermaet (Silence-Lotto)

Van Avermaet ist zwar ein guter Sprinter, doch auch er hat bei der Tour de France 2009 keine echten persönlichen Ambitionen. Seine Hauptaufgabe ist genau, wie bei seinen Mannschaftskollegen, Cadel Evans zum Gesamtsieg zu verhelfen.

Greg Van Avermaet, der bei der Vuelta in Spanien im vergangenen Jahr Punktsieger wurde, ist Helfer von Evans und nichts anderes.

Staf Scheirlinckx (Silence-Lotto)

Scheirlinckx gibt dieses Jahr für Silence-Lotto sein Tour de France-Debut. Der 30jährige stand fünf Jahre lang in Diensten des französischen Rennstalls Cofidis (Foto).

Bei Cofidis stand er 2007 einmal bei der Tour am Start, doch seine Mannschaft verließ damals nach dem Doping-Vorfall seines Teamkollegen Christian Moreni das Peloton.

Auch Staf Scheirlinckx ist ein klassischer „Wassertrâger“ und dieses Jahr steht er, wie alle anderen bei Lotto, im Dienste des Herren Cadel Evans, der ja gewinnen muss.

Frederik Willems (Liquigas)

Der 28jährige belgische Radprofi fährt sei 2007 beim italienischen Liquigas-Team und gab dort vor zwei Jahren sein Tour-Debut. 2007 Jahren wurde Willems 73. und letztes Jahr 113.

Dieses Jahr soll er Mannschaftskapitän Roman Kreuziger aus Tschechien zu einem der vorderen Gesamtplätze verhelfen.

Kreuziger will nach seinem 13. Platz vergangenes Jahr dieses Mal mindestens in der Top 10 landen.

Maxime Monfort (High Road-Columbia)

Genau wie sein Kollege Staf Scheirlinckx fuhr Maxime Monfort jahrelang bei Cofidis in Frankreich. Seine Leistungen dort - er wurde letztes Jahr bei der Tour 23. und das bei seinem Debut - sorgten dafür, dass die man bei High Road (die Mannschaft von ex-Telekom-Manager Bob Stapleton) auf ihn aufmerksam wurde.

Seine Tour-Nominierung unterstrich der junge Belgier mit seinem 10. Gesamtplatz bei der Schweizrundfahrt in diesem Jahr. Aber, auch er steht in Diensten anderer Fahrer. Er ist Sprintvorbereiter für Marc Cavendish und er soll Kim Kirchen und Michael Rogers in den Bergen unterstützen.

Stijn Vandenbergh (Katusha)

Mit dem erst 24jährigen Belgier Stijn Vandenbergh hat die Katusha-Mannschaft einen sehr unauffälligen Radprofi im Kader. Vielleicht ist dies seine Stärke, denn keiner kennt ihn wirklich und keiner rechnet mit ihm.

Seine Qualitäten hat er im Juniorenbereich mehrfach unter Beweis gestellt. Vandenbergh kann sich bei seinem Tour-Debut ein Profil zueignen und seiner Mannschaft, die über mehrere heiße Eisen im Kader verfügt, gute Dienste leisten.

Bei Katusha ist man überzeugt, in dem jungen Fahrer den Richtigen gefunden zu haben. Er lässt sich noch formen und bereitet sich bei der diesjährigen Frankreichrundfahrt gewiss auf eine große Zukunft vor.