Leterme lädt türkischen Botschafter vor

Belgiens neuer Außenminister, Ex-Premier Yves Leterme (CD&V), will mit dem türkischen in Brüssel, Fuat Tanlay, über dessen Aussagen bezüglich des verschobenen DHKP-C-Prozesses in der Zeitung Hürryet sprechen.
Tanlay hatte dort in einem Interview gesagt, dass irgendwann der Terror in Belgien zuschlagen werde und dann wüsste man, was das bedeute.
Hintergrund für diese Aussage ist die erneute Verschiebung eines Prozesses gegen sechs mutmaßliche Mitglieder der linksextremen türkischen Vereinigung DHKP-C in Brüssel.

Ein Berufungsgericht hatte in der vergangenen Woche geurteilt, dass die Plädoyers in diesem Verfahren wieder aufgenommen werden müssen und verschob den Prozess auf den 14. Oktober.

Den Angeklagten, unter anderem der seit einiger Zeit flüchtigen Fehrye Erdal, wird unter anderem die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen.

Umstrittenes Interview

Fuat Tanlay, der Botschafter der Türkei in Belgien, hatte vergangene Woche der türkischen Tageszeitung Hürryet ein Interview zu diesem Prozess in Brüssel gegen. Darin vermutet er, dass Belgien das DHKP-C-Verfahren einstellen wolle.
Ein in Belgien aktiver türkischer Journalist hatte das Hürryet-Interview mit Botschafter Tanlay auf seine Webseite gesetzt, wodurch das belgische Außenministerium darauf aufmerksam wurde.

„Inschallah! Eines Tages wird der Terrorismus auch in Belgien auftauchen und erst dann wird das Land begreifen, was das bedeutet“, so Tanlay in Hürryet.

In einer Mitteilung ließ das belgische Außenamt wissen, dass Minister Leterme das Interview zur Kenntnis nehme.

Er werde Botschafter Tanlay nach dessen Rückkehr aus der Türkei einbestellen, um Erklärungen zu dessen Aussagen zu erbitten.

Der DHKP-C-Prozess

Der Fall begann 1999, als die DHKP-C-Aktivistin Fehrye Erdal (Foto) und einige ihrer Gefährten in der Nähe des Küstenbadeortes Knokke verhaftet wurde.

In deren Wohnungen fanden die Ermittler Waffen, falsche Papiere, ein Gerät zum Abhören des Polizeifunks und einen Zünder für einen Sprengsatz.

Das Verfahren ist bereits mehrmals in Berufung gegangen und alle bisher ausgesprochenen Urteile und Strafen wurden jedes Mal für nichtig erklärt.

Inzwischen konnte sich Fehrye Erdal der Polizeibeobachtung entziehen und flüchten.