Wieder Ärger um “Tim im Kongo”

Wer in der Stadtbibliothek von Brooklyn in New York den Comic-Band „Tim im Kongo“ aus der „Tim und Struppi“-Reihe des belgische Zeichners Hergé lesen will, kann dies seit 2007 nur nach Vereinbarung eines Termins tun.
Nachdem diese Maßnahme in den vergangenen Tagen in verschiedenen Medien als Zensur kritisiert worden war, rechtfertigte sich die Bibliothek am Dienstag in einer Erklärung damit, sie habe nur „dieses in den USA äußerst seltene Werk“ schützen wollen.
„Während längerer Zeit war dieses Exemplar das einzige, das in einer öffentlichen Bibliothek New Yorks zur Verfügung stand. Wir hielten es für angewiesen den Comic-Band deshalb zu schützen“, so Malika Granville, die Sprecherin der Bibliothek in Brooklyn.

Auch die amerikanische Buchladenkette Borders, die „Tim und Struppi“ in den USA vertreibt hatte den Band aus dem Handel genommen. „Angesichts der Tatsache das „Tim im Kongo“ auf einige unserer Kunden verletzend wirken könnte, bieten wir das Buch nur noch in der Abteilung für Erwachsene an“, so die Begründung.

Rassismusverdacht

In Paris will der in Belgien lebende Kongolese Bienvenu Mbutu „Tim im Kongo“ gerichtlich verbieten lassen, weil das Buch ein erniedrigendes und entwürdigendes Bild der Schwarzen im Kongo vermittle.

Mbutu kritisiert, dass der Anfang der 30er Jahre zum ersten Mal veröffentlichte Comic auch in der überarbeiteten Version noch „rassistisch“ sei und Vorurteile gegenüber Kongolesen verfestige. Die Schwarzen würden präsentiert, als wenn sie dumm wären und keine Qualitäten hätten.

In der ersten Ausgabe des Comics hatte sich der junge Reporter Tim in der ehemaligen belgischen Kolonie Kongo alles andere als politisch korrekt benommen. Eine Szene zeigt ihn als Aushilfslehrer in einer afrikanischen Dorfschule.

„Heute bringe ich Euch etwas über Euer Vaterland Belgien bei“, erzählt er den „Negerkindern“ in der Ursprungsversion. Später korrigierte der belgische Comiczeichner und -autor Hergé (1907-1983) die allzu kolonialen Stellen. Nun gibt Tim den Kindern eine Mathestunde, und die erwachsenen Kongolesen reden auch nicht mehr nur in Infinitiven.

In Belgien hat Mbutu bereits 2007 Klage gegen den Verlag Moulinsart eingereicht. Das Verfahren läuft noch.