Nazipropaganda bei der Tagesmutter

Der für Volksgesundheit und Familie zuständige flämische Minister Jo Vandeurzen reagierte schockiert auf eine TV-Reportage, in der eine Tagesmutter offen Sympathien für Adolf Hitler und das Naziregime zeigt. Am Nachmittag wurde ihre Zulassung eingezogen.
In der Reportage des flämischen Rundfunks VRT war ein Vater zu sehen, der einen Tagesmutter für seine Tochter suchte. Auf den ersten Blick war das  nichts Außergewöhnliches.
Doch in der Wohnung der Tagesmutter hing ein Porträt von Adolf Hitler und im Wohnzimmer standen Fahnen der verbotenen rechtsextremen Organisation "Vlaamse Militanten Orde" sowie ein Regal mit Nazi-Literatur.

Die Tagesmutter war offiziell von der flämischen Aufsichtsbehörde für Kinderkrippen und Tagesmütter "Kind & Gezin" zugelassen.

Die Behörde sei auf dem Laufenden, sagt die Frau: ""Kind & Gezin" hat ein Problem mit dem Hitler-Foto. Aber ich arbeite nicht für die Behörde. Sie erteilt mir lediglich eine Zulassung. Ich habe meine Privatsphäre und tue in meinem Haus, was ich will."

"Mehr als konservativ"

"Mit der Erziehungsphilosophie von "Kind & Gezin" bin ich nicht einverstanden", so die Tagesmutter in der Reportage: "Denen zufolge soll ein Kind selbst bestimmen, wann es essen, schlafen, ... kann. Damit bin ich absolut nicht einverstanden. Mein Mann übrigens auch nicht ...", den die Frau "mehr als konservativ" nennt.

Die Frau hat nicht nur ein Porträt von Hitler aufgehängt, sondern auch eine Meinung zur Nazi-Ideologie: "Phänomenal." Ihr zufolge hätten wir heute "das gleiche Problem" mit den Muslimen wie die Deutschen mit den Juden in den 30er Jahren.

"Das geht nicht"

Der für Volksgesundheit und Familie zuständige flämische  Landesminister Jo Vandeurzen (CD&V) reagiert geschockt auf die Reportage.

"Es ist nicht die Aufgabe von "Kind & Gezin", um ein Erziehungsmodell aufzuerlegen. Hier muss man sich aber die Frage stellen, wie es kommt, dass in diesem Fall eine Zulassung erteilt wurde."

Der Minister will sich mit der Behörde über eine strengere Vorgehensweise beraten: "Die Tagesmutter hat zwar eine Zulassung, aber ich finde, dass Flandern eine solche extreme Haltung nicht als Erziehungsrahmen gelten lassen kann."

Auch "Kind & Gezin" hat reagiert: "Wir müssen jetzt überlegen, welche Möglichkeiten wir haben, um solche Situationen in Zukunft zu verhindern."

Klage

Das Zentrum für Chancengleichheit und Bekämpfung des Rassismus hat Klage gegen die Tagesmutter eingereicht.

Dabei beruft das Zentrum sich auf das Antidiskriminierungsgesetz sowie auf das Gesetz zur Bekämpfung des Negationismus.

Zulassung eingezogen

Am Dienstagnachmittag wurde bekannt, dass "Kind & Gezin" die Zulassung der Tagesmutter einzieht. Das hat zur Folge, dass Eltern, die ihre Kinder von dieser Frau betreuen lassen, die anfallenden Kosten nicht  mehr steuerlich absetzen können.

Gleichzeitig hat die Aufsichtsbehörde für Kinderbetreuung in Flandern beschlossen, die Zulassungskriterien zu verschärfen. Nazi-Symbole sind ausdrücklich verboten. In diesem Sinne werden die Kriterien erweitert.

"Das Fördern von strafbarem Ideengut ist für "Kind & Gezin" nicht mit der Kinderbetreuung zu vereinbaren", gab die Behörde in einer Pressemeldung bekannt.

Parteiausschluß

Die Nazi-Tagesmutter aus Hoboken bei Antwerpen, die offen ihre Sympathie für Adolf Hitler bekundete, ist am Dienstagabend auch aus der rechtsextremen  Partei Vlaams Belang ausgeschlossen worden.

Die Frau und ihr Ehemann waren Parteimitglieder.

Bruno Valkeniers, der Parteivorsitzende des Vlaams Belang erklärte, in seiner Partei sei kein Platz für Menschen, die die Naziherrschaft verherrlichten.

Vor sechs Jahren war bereits Klage gegen die Tagesmutter eingereicht worden, Sanktionen erfolgten jedoch nicht, berichtet die Zeitung "Het Laatste Nieuws" in ihrer Mittwochausgabe.