Was wird aus dem Opel-Standort in Antwerpen?

Der US-Autobauer GM hat überraschend doch die deutsche Automarke Opel an das Konsortium um den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna verkauft. Was dieser Schritt für den Opel-Standort Antwerpen bedeutet, ist zunächst noch unklar. Zwar wurde GM-Vize John Smiths am Donnerstag in Berlin mit Aussagen in Verbindung gebracht, nach denen der Standort schrittweise geschlossen werden sollte, doch vorerst gilt in Belgien vorsichtiger Optimismus.
Die Opel-Treuhandgesellschaft und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bestätigten den Verkauf von Opel und seinem britischen Ableger Vauxhall an Magna am Donnerstag. Was dies für Opel in Antwerpen bedeutet, ist noch nicht deutlich, doch wird in Belgien schon seit längerem über eine Schließung der belgischen Filiale spekuliert.

Weitere Details zum Opel-Verkauf an Magna sollen erst nach der Bundestagswahl in Deutschland am 27. September bekannt werden. Der Wahlkampf in unserem Nachbarland soll wohl nicht durch Werksschließungen oder neue Arbeitslose beeinträchtigt werden...
Der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna, der gemeinsam mit der russischen Sberbank und dem russischen Autobauer GAZ bei Opel einsteigt, ist Angela Merkels (Foto) Wunschkandidat.

Auch im belgischen Bundesland Flandern war man einem Verkauf von Opel an Magna eher positiv gegenüber eingestellt. Bei Opel in Antwerpen arbeiten rund 2.600 Beschäftigte.

Flanderns Ministerpräsident Kris Peeters (CD&V) bot Opel Zuschüsse in Höhe von bis zu 500 Millionen € an, um den Standort Opel-Antwerpen erhalten zu können.
Allerdings sieht das Übernahmekonzept von Magna, das am 17. Juli an die Öffentlichkleit kam, die Schließung des Standortes Antwerpen (Foto) vor. Opelaner von Antwerpen werden die Nachricht, dass Magna die Marke übernimmt, nicht gerne hören.

Doch auch RHJ, der andere Übernahmekandidat, hätte Antwerpen wohl dicht gemacht. Selbst bei einem Verbleib von Opel bei GM wäre das Werk in der Scheldemetropole nicht sicher gewesen, denn auch hier sprach die Gerüchteküche von Schließung. Hier wären neben Antwerpen auch die deutschen Standorte von Bochum und Eisenach dem Rotstift zum Opfer gefallen.

Flanderns Landeschef Peeters kan zumindest vorläufig mit dem Verkauf an Magna leben, doch er glaubt nicht, dass alle Jobs in Antwerpen gerettet sind. "Magna hat die Möglichkeit einer Zukunft von Antwerpen niemals ganz ausgeschlossen. Doch ist dies noch keine Garantie.", so Peeters gegenüber der Nachrichtenredaktion der VRT.

„Magna ist das am wenigsten schlechte Szenario“

Die Gewerkschaft ACV in Flandern reagierte gemäßigt positiv auf die Meldung, dass Opel/Vauxhall an den österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna verkauft wird.  „Hiermit ist für Antwerpen das am wenigsten schlechte Szenario herausgekommen. Wir werden für eine Zukunft von Opel in Antwerpen kämpfen“, sagte ein ACV-Sprecher am Donnerstag. Magna, so die ACV, sei der einzige Weg, der den flämischen Standort von Opel möglicherweise eine Zukunft bieten könne.

Für den belgischen Technologie-Arbeitgeberverband Agoria muss Magna einen nachhaltigen  Businessplan für den Antwerpener Opel-Standort vorlegen. Agoria drängt auf baldige Deutchlichkeit für die Belegschaft des Werks. Der Standort habe starke Trümpfe, wie seine Lage am Hafen, sein Knowhow und eine gute Kosteneffiziens vorzuweisen, so Agoria weiter.

55% der Opelanteile für Magna

Nach Plänen von Magna wird die Gruppe gemeinsam mit Sberbank und GAZ 55% der Anteile von Opel von GM übernehmen. Dafür muss das Konsortium 750 Millionen € zahlen. Magna hat bereits 300 Millionen € in Opel investiert.

General Motors behält 35% der Aktien und die restlichen 10% sollen an das Personal gehen. Opel kann ohne GM nicht funktionieren, denn der US-Autobauer hält als Mutterkonzern die Patente von Opel in Händen - auch wenn diese von deutschen Opel-Ingenieuren entwickelt wurden.