Streit um Kopftuch-Verbot an Schulen

Das Kopftuchverbot, dass das flämische Schulwesen erlassen hat, sorgt erwartungsgemäß für heftige Diskussionen. Imame regen jetzt eigene Schulen für ihre Glaubensrichtung in Flandern an. Im freien Unterrichtswesen, zum Beispiel an den katholischen Schulen, wird kein solches Verbot eingeführt.
Der Dachverband der katholischen Schulen in Flandern will ein solches allgemeines Kopftuchverbot nicht einführen und überlässt es den einzelnen Instituten selbst, über einen dahingehenden Schritt zu entscheiden.
Doch eigentlich verlangt die Schulordnung in den meisten Instituten im freien Bildungswesen in Flandern ohnehin schon längst von moslemischen Mädchen und Lehrerinnen, dass sie ihr Kopftuch in den Räumen und Klassen ablegen müssen.

Gleichzeitig mit dem Landesbildungswesen gaben übrigens alle Schulen in Antwerpen – sowohl die kommunalen, als auch die provinzialen und die katholischen Schulen – am Freitag bekannt, dass sie das Kopftuchverbot einführen werden. Die Scheldemetropole zählt rund 300 Schulen.

Das so genannte „Kopftuchverbot“ in den flämischen Landesschulen umfasst bei weitem nicht nur die Kopftücher von moslemischen Mädchen oder Lehrerinnen. Die Regelung beinhaltet auch die jüdische Kippa, christliche Kreuze und alle anderen offen getragenen religiösen Symbole.

Eigene moslemische Schulen?

Imam Nordine Taouil (Foto) aus Antwerpen kann das Kopftuchverbot nicht akzeptieren. Er erwägt juristische Schritte gegen die Auflage und ist der Ansicht, dass viele islamische Familien jetzt ihre Töchter aus der Schule nehmen.

Für den islamischen Geistlichen ist die Lösung des Problems für seine Glaubensgemeinschaft nur noch die Einrichtung von eigenen Schulen:

„In den kommenden Jahren werden die Moslems in Flandern dem Landesbildungswesen immer mehr den Rücken kehren. Und wir werden selbst nach Alternativen suchen, um eigene Schulen zu eröffnen. Man zwingt uns dazu und gibt uns ein Signal, nach dem wir nicht willkommen

Flanderns Bildungsminister bedauert die geplante Gründung von Moslemschulen

Der flämische Bildungsminister Pascal Smet (SP.A) hat die Moslemgemeinschaft aufgerufen, noch einmal gut darüber nachzudenken, ob sie aufgrund des Kopftuchverbots in den Schulen des regionalen Unterrichtswesens tatsächlich eigene Schulen gründen will.

Minister Smet, ein flämischer Sozialist, erklärte am Samstag im flämischen Rundfunk VRT, dass Schulen die Gesellschaft repräsentieren, was seiner Ansicht nach auch sinnvoll sei:

"Im flämischen Bildungswesen besteht Schulfreiheit und jeder, der die Bedingungen erfüllt, darf eine Schule eröffnen. Ich bitte aber die Moslemgemeinschaft darum, einmal gut darüber nachzudenken, das Schulen ein positiver Mix der Gesellschaft sein sollten. Auf der Straße laufen die Kinder auch durcheinander herum. Schulen widerspiegeln das und deshalb erscheinen mir getrennte Institute keine gute Option zu sein."

Darum bedauere er es, das moslemische Kinder und Jugendliche in eigenen Schulen islamischer Konfession unterrichtet werden sollen.