"Ein Schritt in die richtige Richtung"

Die Regierungskabinett der Niederlande hat beschlossen, Polderland in Zeeuws-Flandern unter Wasser zu setzen, um damit Umweltschäden durch das Ausbaggern der Westerschelde zu kompensieren. Damit liegt der Weg frei für die Vertiefung dieses Zugangs zum Antwerpener Hafen und damit erfüllen die Niederlande auch einen Vertrag mit dem belgischen Bundesland Flandern, der 2005 unterzeichnet wurde.

Vor vier Jahren unterzeichneten Flandern und die Niederlande einen Vertrag, nach dem die von den Flamen seit Jahrzehnten verlangte Ausbaggerung der Westerschelde an Kompensierungen für einen dadurch eventuell entstehenden Umweltschaden gekoppelt werden sollten. Damals viel die Wahl auf den Herzogin Hedwigpolder in Zeeuws-Flandern - quasi auf der dem Antwerpener Hafen gegenüberliegenden Ufer der Westerschelde.

Die Schelde ist der einzige Zugang zum Antwerpener Hafen von der Nordsee aus, doch sie ist nicht tief genug, um Hochseefrachter, Containerschiffe oder Öltanker der neuesten Generationen durchfahren zu lassen. Dies gelingt nur zu bestimmten Gezeiten und erschwert das Anlagen solcher Frachter technisch und wirtschaftlich erheblich.

Doch nun scheint eine Lösung in Sicht. Nach dem die Niederländer das Thema lange hinausgezögert hatten, wurden sie aus Richtung Flandern unter Druck gesetzt. Nicht nur politisch, sondern auch juristisch, denn mehrere Unternehmen und Reedereien aus Antwerpen hatten im Hinblick auf die Aussicht, bald Frachter mit größerem Tiefgang Laden und Löschen zu können, Millionen investiert und drohten den Niederlanden mit empfindlichen Schadensersatzklagen.
 

Balkenende lenkt ein, hat aber weiter Probleme im eigenen Haus

Jan Peter Balkenende (CDA - Foto rechts) und seine Regierung haben jetzt grünes Licht für die Flutung des Polders gegeben. Doch in der gesetzgebenden Zweiten Kammer im niederländischen Parlament steht noch keine Mehrheit dafür.

Zudem drohen Klagen von Umweltverbänden, Bürgern aus Zeeland (von wo auch Balkenende selbst herstammt) und nicht zuletzt vom Besitzer des Polders, dem Belgier Gerry De Cloet.

Flanderns Ministerpräsident Kris Peeters (CD&V - Foto links) spricht denn auch derzeit lieber von einem "Schritt in die richtige Richtung", glaubt aber erst an die Sache, wenn Wasser auf den Polder strömt und Bagger mit der Vertiefung der Westerschelde beginnen.

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