Frank Vandenbroucke ist tot

Frank Vandenbroucke, einstiges Supertalent und später „enfant terrible“ des belgischen Profiradsports, ist tot. Er erlag einer Lungenembolie in einem Hotel an seinem Ferienaufenthaltsort in Senegal. Seine Angehörigen fordern jetzt eine Autopsie, denn Medienberichten zufolge sollen neben seinem Bett haufenweise Medikamente gefunden worden sein.

Vandenbroucke verbrachte gemeinsam mit seinem Freund und Radsportkollegen Fabio Polazzi einige Urlaubstage in Saly, etwa 70 Kilometer von der senegalesischen Hauptstadt Dakar entfernt.

Nach Angaben seiner Mutter ging es ihrem Sohn sehr gut. Beide hätten noch am vergangenen Sonntag miteinander telefoniert. „Nach so vielen schwierigen Jahren hatten wir seit etwa einem Jahr unseren Sohn wiedergefunden“, so seine Mutter Chantal Vanruymbeke gegenüber der flämischen Tageszeitung ‚Het Laatste Nieuws’.

„Dass er keine neue Mannschaft fand, belastete ihn. Darum ist er in Urlaub gefahren, um seine Situation noch einmal klarzustellen und auch um sein Image noch einmal zu überdenken.“, sagte sie weiter. Inzwischen meldet die französische Sportzeitung ‚L’Equipe’, dass man neben dem Bett Vandenbrouckes verschiedene Medikamente gefunden habe. Dabei soll es sich um Insulin (ein Mittel für Zuckerkranke), um das Schlafmittel Stilnox und um Xanax, ein Produkt gegen Angstzustände, gehandelt haben.

Vandenbrouckes Familie wird mit Sicherheit eine Autopsie des Leichnams fordern, denn die Todesursache bleibt den Angehörigen rätselhaft.

VDB – Das ewige Talent, das sich stets selbst im Weg stand.

Frank Vandenbroucke - ‚il bambino’, Franky Boy oder auch gerne kurz VDB genannt - kam 1974 in Mouscron zur Welt und verbrachte seine Jugend in dem Dörfchen Ploegstert. Schon im Alter von 15 Jahren begann seine Laufbahn beim belgischen Radsportverband.

1991 wurde er belgischer Nachwuchsmeister, ein Jahr später auch Juniorenmeister und Dritter bei der Weltmeisterschaft. 1994 nahm ihn die Lotto-Mannschaft unter Vertrag, womit seine Profilaufbahn echt begann. Doch nur kurz darauf kündigte er diesen Vertrag auf, um zu Mapei zu gehen (Foto), der Mannschaft von Patrick Lefebvere (heute Quick.Step). In den Mapei-Farben gewann er Paris-Brüssel, den Scheldepreis, Paris-Nizza und Gent-Wevelgem, um danach bei Cofidis seine größten Erfolge zu feiern.

1999 versammelte er als Kapitän bei Cofidis eine Mannschaft um sich, zu der Nico Mattan, Jo Plankaert und Chris Peers gehörten. VDB kündigte in diesem Jahr  vollmundig an, Lüttich-Bastogne-Lüttich zu gewinnen, was in einem Husarenstückchen auch prompt gelang. 1999 war sein absolutes Topjahr, denn er gewann auch noch den Omloop Het Volk und zwei Etappen bei der Vuelta. Bei der Flandernrundfahrt wurde er Zweiter und bei der WM in Verona „nur“ Siebter, allerdings mit gebrochener Hand.

Doch dann kam er in einer Dopingaffäre ins Gerede und seine Karriere ging nach vielen Gerichtsverfahren und zahllosen missglückten Comebacks steil bergab.

Turbulentes Sport- und Privatleben

1999 musste er vor Gericht gegen seinen engen Vertrauten Bernard Sainz aussagen, wobei es um vermeindlichen Dopinghandel ging. 2002 fand die Polizei bei VDB selber verbotene Dopingmittel. Die Bilder seiner Verhaftung in Handschellen gingen um die Welt. Das war der Anfang vom Ende.

Doping, obwohl er niemals positiv getestet wurde, gesundheitliche Probleme mit seinem Knie und mehrere Verfahren wegen Alkohol am Steuer sorgten international für negative Schlagzeilen und seine Ehe mit dem italienischen Fotomodell Sarah Pinacci (das Paar hat zwei Töchter) drohte mehrmals zu zerbrechen.

Zweimal, 2004 und 2007, unternahm er Selbstmordversuche – einmal mit einer Schusswaffe nach einem Ehestreit und einmal nahm er eine Überdosis Medikamente ein.

Und doch versuchte Vandenbroucke immer wieder seine Radsportkarriere neu aufzunehmen. Erfolg hatte er nie mehr und er wechselte die Mannschaften, wie andere die Unterwäsche. Aber, auch international standen viele Fans weiter hinter ihm.

 

Neuanfang und abruptes Ende

2009 fand Frank Vandenbroucke mit Cinelli wieder ein neues Team, doch im August verließ er die Mannschaft wieder, da sie finanziell auf wackligen Beinen stand und ihn nie bezahlt hatte.

Doch sein Umfeld und seine Familie bemerkten, dass es mit VDB wieder bergauf ging. Er strahlte offenbar wieder Selbstvertrauen aus und zeigte sich bei der WM in Mendrisio wieder seht stark.

Einige Mannschaften zeigten wieder Interesse und das berühmte Mapei Sports Center wollte mit ihm zusammenarbeiten.

Doch dieser Traum fand in einem Hotelzimmer in Senegal ein jähes Ende…