KBLux - Der Prozess beginnt

In Brüssel hat am Montagmorgen der so genannte "KBLux-Prozess" begonnen. Insgesamt 14 Personen stehen vor Gericht. Ihnen wird vorgeworfen, in den 1990er Jahren Steuern in Millionenhöhe hinterzogen zu haben, beziehungsweise dabei geholfen haben, steuerpflichtige Summen auf luxemburgische Konten zu schleusen.

Der Prozess begann im wahrsten Sinne des Wortes mit einer Bombe, denn kurz nach Prozessbeginn musste der Brüsseler Justizpalast (Foto) wegen einer Bombendrohung geräumt werden.

Unter den 14 Angeklagten befinden sich auch mehrere Angestellte der belgischen KBC-Bank, beziehungsweise deren luxemburgischen Tochter KBLux. Aber auch Unternehmer, wie zum Beispiel Lucien Verkest, der mit seiner Fettschmelzerei in den 1990er Jahren am Ursprung der Dioxinkrise stand. Die Angeklagten sollen am Durchschleusen von rund 400 Millionen € nach Luxemburg beteiligt gewesen sein.

Unter den vor Gericht stehenden Personen ist auch das ehemalige Callgirl Rita Verstraeten. Die Frau hatte versucht, das von Zigarettenhersteller Roger Gosset (u.a. Eigner der Marke St. Michel) kurz zuvor geerbte Vermögen am Fiskus vorbei nach Luxemburg zu schleusen. Weder Verkest, noch Verstraeten, erschienen am Montagmorgen zum Prozessauftakt. Das Verfahren soll mindestens bis Ende Dezember 2009 dauern.
 

Verteidigung übt Druck aus

Nach dem Prozessauftakt forderte die Verteidigung einen sechsmonatigen Aufschub. Sie begründete dies damit, dass einer der damaligen Ermittler der Urkundenfälschung bezichtigt wird. Dieser soll am Dienstag vor Gericht aussagen.

Einer der Verteidiger erklärte, der Vorwurf des Untersuchungsrichters beziehe sich auf den Beginn der Ermittlungen. Schon seit Anfang der Ermittlungen versucht die Verteidigung zu beweisen, dass der Anfangsverdacht auf nicht reguläre Weise zustande gekommen sei.