Unsicheres Brüsseler EU-Viertel?

Europaparlamentarier, EU-Beamte und Mitarbeiter der europäischen Institutionen in Brüssel fühlen sich in der belgischen Hauptstadt nicht mehr sicher. Die deutsche Tageszeitung „Die Welt“ nennt Brüssel in einem entsprechenden Beitrag „Hauptstadt des Verbrechens“.

Nach Angaben von „Die Welt“ schaue die belgische Polizei nur zu, während die belgische und europäische Hauptstadt in der Kriminalität versinke. Gleichzeitig erwarte das EU-Personal hinter jeder Ecke gleich einen Verbrecher, der einen Überfall verüben wolle.

Anlass für diesen Schmähartikel von „Die Welt“ ist ein gewalttätiger Überfall auf die deutsche CSU-Europaparlamentarierin Angelika Niebler vor einigen Wochen im Brüsseler EU-Viertel, nach dem die Polizei trotz mehrfacher Anrufe nicht erschienen sein soll. Der Notdienst sei damals erst nach 40 Minuten erschienen.

Vor allem deutsche und britische EU-Parlamentarier und Beamte warnen ihre Landsleute vor der Kriminalität im Brüsseler Europaviertel, denn der Vorfall um Angela Niebler sei bei Weitem kein Einzelfall in dieser Gegend.

Jerzy Buzek, der amtierende EU-Parlamentsvorsitzende, hat mit der Brüsseler Polizei Kontakt aufgenommen und darum gebeten, die Sicherheit in den Vierteln um die europäischen Institutionen zu verbessern. „Wir warten noch auf Antwort“, antwortete eine Sprecherin von Buzek auf Anfrage einiger belgischer Tageszeitungen, die den Bericht von „Die Welt“ aufgenommen haben.

Zum Artikel "Brüssel ist die Hauptstadt des Verbrechens" in Die Welt:

Die Zahlen sehen anders aus

Jacques Raes vom Krisenzentrum des belgischen Innenministeriums relativiert die gefühlte Unsicherheit der EU-Ausländer in Brüssel in der flämischen Tageszeitung "De Standaard" mit Zahlen und er ließ nachforschen, was im Zusammenhang mit dem Überfall auf die CSU-Parlamentarierin geschehen ist:

"Zwischen dem 18. Und dem 19. September (die Nacht, in der der überfall stattgefunden haben soll (A.d.R.)) ist bei den Polizei- und Hilfsdiensten kein Aufruf für einen Einsatz in dieser Zone eingegangen."

Zuderm, so Raes deutlich, seien die Kriminalitätszahlen im Brüsseler EU-Viertel mit denen anderer Gegenden in der Stadt überhaupt nicht zu vergleichen: "Ein Beispiel: im September sind dort 3 gewalttätige Überfälle gemeldet worden, gegenüber 19 im gleichen Zeitraum im Zentrum der Stadt."

Gelassene Reaktionen

Brüssels Polizei und Belgiens Innenministerin Annemie Turtelboom (Open VLD) zeigen sich nicht besonders geneigt, auf die Klagen des EU-Personals eingehen zu wollen.

„In Brüssel ist es nicht schlimmer, als in anderen europäischen Großstädten“, so ein Sprecher von Turtelboom gegenüber der flämischen Tageszeitung „Het Niewsblad“.

Allerdings werde die Innenministerin das Problem der Sicherheit im Europaviertel mit Brüssels Bürgermeister Freddy Thielemans (PS) besprechen.