Karadzic-Prozess: Chefankläger Brammertz

Als Chefankläger des UN-Strafgerichtshofes für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag versucht Brammertz ab Montag, dem einstigen bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic das schwerste aller Verbrechen nachzuweisen: Völkermord.

Serge Brammertz (Foto) hat Drogenbarone und Menschenhändler zur Strecke gebracht. Er hat gegen Attentäter im Nahen Osten und Rebellen in Afrika ermittelt.

Jetzt steht der 47-jährige Deutsch-Belgier, der seinen Doktor im internationalen Strafrecht an der Freiburger Albrecht-Ludwig-Universität machte, vor dem kompliziertesten Prozess seiner juristischen Bilderbuchkarriere.

Für die Beweisführung hat sein Team 1,2 Millionen Seiten an Dokumenten zusammengetragen. 409 Zeugen sollen die Vorwürfe von Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen in zusammen elf umfangreichen Anklagepunkten bestätigen.
 

Anwalt der Opfer

„Wir sind bereit“, sagt Brammertz, den der UN-Sicherheitsrat zum 1. Januar 2008 als Chefankläger des Jugoslawien-Tribunals berufen hatte.

Anders als seine Vorgängerin Carla del Ponte bevorzugt der auch fließend Niederländisch, Spanisch, Französisch und Englisch sprechende Strafverfolger die leisen Töne. Aber genau wie sie sieht sich der zurückhaltend wirkende Jurist aus Eupen, der Hauptstadt des deutschsprachigen Teils von Belgien, als Anwalt der Opfer.

Dass Karadzic zur Rechenschaft gezogen wird, sei für sie außerordentlich wichtig. „Man versteht das sehr gut, wenn man zum Beispiel mit einer Zeugin spricht, die ihre gesamte Familie verloren hat.“ (mit DPA)