Vankrunkelsven verlässt die Politik

Der Medizinprofessor und praktizierende Arzt Patrick Van Krunkelsven war seit vielen Jahren Senator für die flämischen Liberalen Open VLD. Er kehrt der Politik den Rücken aus Unzufriedenheit über die Positionen seiner Partei.

Der direkte Anlass für seine Entscheidung ist die Ablehnung eines allgemeinen Rauchverbots durch seine Partei, sagte Vankrunkelsven am Sonntagmittag im VRT-Fernsehen. Der Mediziner hatte sich immer für ein solches Rauchverbot in Gaststätten engagiert, konnte sich bei den Liberalen mit der dieser Position aber nicht durchsetzen.

Es scheide nicht im Streit mit der Partei aus der Politik aus, müsse aber feststellen, dass seine Partei und er in konkreten Fällen immer wieder zu anderen Einsichten kämen. Er habe sich bei der Open VLD oft sehr alleine gefühlt, so Vankrunkelsven.

Er kritisierte auch den politischen Immobilismus, der sich in Belgien in den vergangenen Jahren breit gemacht habe. Echte große Entscheidungen um den Wohlfahrtsstaat und die Zukunft zu sichern, würden nicht getroffen.

„Das kommt, weil die jetzige Koalition keine echte Koalition ist. Alle Parteien misstrauen einander. So kann man auch im Parlament nichts unternehmen, weil keiner dem anderen etwas gönnt. Ich habe das Gefühl, dass hier in den vergangenen Jahren kaum regiert wurde“, erklärte ein sichtlich von der politischen Entwicklung enttäuschter Vankrunkelsven.

Sehr enttäuscht war er auch, dass er nicht mehr der gesundheitspolitische Sprecher der flämischen Liberalen sein durfte. „Wenn man sich als Mediziner jahrzehntelang für die Volksgesundheit eingesetzt hat, ist es doch seltsam, dass die Partei plötzlich einen völlig unerfahrenen Jungpolitiker mit dieser Aufgabe betraut“, so Vankrunkelsven.
 

Bewegte Biographie

Die politische Laufbahn von Patrick Vankrunkelsven (52) verlief nicht geradlinig, aber seit fast 30 Jahren ist er gleichzeitig Arzt, Medizinprofessor und Politiker. Außerdem erzog er nach dem Tod seiner Frau seine vier Kinder alleine und war er 12 Jahre lang Bürgermeister seiner Gemeinde Laakdal.

1998 übernahm Vankrunkelsven der Parteivorsitz der flämisch-nationaldemokratischen Partei Volksunie, die aber 2001 in ihre beiden Flügel, die konservativ-nationalistische N-VA und die linksliberale Spirit, auseinanderfiel.

Der linksliberale und militant pazifistische Vankrunkelsven entschied sich aber wenig später für den Parteiwechsel von Spirit zur liberalen VLD, die er seitdem im Senat, dem Oberhaus des belgischen Parlamentes vertrat.

Er setzte sich für Legalisierung der Sterbehilfe und für ein allgemeines Rauchverbot in Gaststätten. Regelmäßig beteiligte er sich auch an Kundgebungen gegen die Stationierung von Atombomben auf der belgischen NATO-Basis von Kleine Brogel (Foto).