Belgiens Alt-Premier Harmel ist tot

Der frühere belgische Premier- und Außenminister Pierre Harmel ist tot. Harmel verstarb Onntag im Alter von 98 Jahren. Harmel war einer der prägenden Politiker der Nachkriegszeit und zudem Begründer einer neuen Ost-Politik der NATO.

Pierre Harmel war so etwas wie die Vaterfigur der belgischen Christlichsozialen, allen voran natürlich der früheren PSC.

Die innenpolitische Bühne betrat der 1911 geborene Brüsseler sozusagen direkt nach dem Krieg. Er galt als Verfechter des Dialogs zwischen Flamen und Wallonen.

Nach 1950 bekleidete er zahlreiche Ministerposten, bis er 1965 zum Premierminister aufstieg. Seine Regierung scheiterte jedoch schon gut ein Jahr später. Ursache war - damals schon - das Scheitern von Verhandlungen über eine Neuordnung des Staatsgefüges.

1991 verlieh König Baudouin Pierre Harmel den Titel eines Grafen.

Belgiens christdemokratischer Regierungschef Herman Van Rompuy sagte, Harmel habe viel für den Zusammenhalt der Flamen und Wallonen getan.
 

 

Harmel-Bericht gab NATO neue Richtung

Seine politische Karriere setzte er als Außenminister fort, ein Amt, das er zwischen 1966 und 1972 bekleidete. 1967 hinterlegte er einen wegweisenden Bericht, der seinen Namen trug und die NATO neu ausrichtete.

Der Harmel-Bericht empfahl zwar weiter militärische Abschreckung im Kalten Krieg, zugleich sollte der Westen aber versuchen, den Dialog mit der Sowjetunion zu suchen.

Auf der Grundlage des Harmel-Berichtes setzte die westliche Verteidigungsallianz in der Folge verstärkt auf Entspannung zwischen Ost und West, was als die so genannte Harmel-Doktrin in die Geschichte einging.
 

(Quelle: brf)