Herman Van Rompuy bleibt im Rennen

Der belgische Premierminister Herman Van Rompuy wird weiterhin als Favorit für das Amt des ersten Präsidenten der Europäischen Union gehandelt. Allerdings herrscht unter den Mitgliedstaaten noch keine einstimmige Meinung über die definitive Wahl.

Bei einem Abendessen sollen die europäischen Staats- und Regierungschefs am Donnerstagabend über den Kandidaten für das neue Amt des EU-Präsidenten entscheiden.

Der schwedische Premierminister, der den Vorsitz des EU-Rates innehat, nimmt auf jeden Fall kein Risiko, sollten sich die 27 nicht einig werden. Für Freitagmorgen hat er bereits ein gemeinsames Frühstück bestellt.

Sollte nach dem Frühstück noch immer kein weißer Rauch aufsteigen, kann die Entscheidung auf ein folgendes Gipfeltreffen in der letzten Novemberwoche vertagt werden.

Der Countdown läuft, denn der neue Präsident soll sein Amt am 1. Dezember antreten.

Oder doch Blair oder Balkenende?

Auch ohne, dass alle 27 Staats- und Regierungschefs auf der gleichen Wellenlänge sind, soll Herman Van Rompuy gegenwärtig der Favorit sein.

Den größten Widerstand gegen den belgischen Premierminister legen die Briten an den Tag, die ihren Kandidaten, Tony Blair, ins Amt hieven wollen. Die britischen Zeitungen haben eine Offensive gegen Van Rompuy gestartet und werfen ihm vor, die Europäische Union zu sehr in die Richtung einer Föderation zu drängen.

Ein anderer ernst zu nehmender Kandidat ist der niederländische Premierminister Jan-Peter Balkenende.

Analysten vermuten aber auch, dass sowohl die Briten als auch die Niederländer mit ihren Kandidaten "Bluffpoker" spielen, um einen gewichtigen Posten in der EU-Kommission durchzusetzen.

Frankreich und Deutschland für Van Rompuy

Die Unterstützung der beiden großen Mitgliedstaaten soll Van Rompuy gewiss sein. Das hat der deutsche Botschafter Dr. Bettzuege in der Zeitung "De Morgen" bestätigt.

Diplomatischen Kreisen zufolge soll Deutschland den neuen Vorsitzenden der Europäischen Zentralbank stellen wollen. Frankreich dagegen soll den Posten des Generalsekretärs des Europäischen Rates anpeilen.

Ausschlaggebend für die Bestimmung des neuen Präsidenten ist auch die Besetzung einer anderen hohen Funktion: Gesucht wird noch ein Hoher Vertreter für die Außenpolitik der EU.

Mittlerweile werden auch Stimmen laut, um eine der beiden neuen Funktionen mit einer Frau zu besetzen.