Europa gewinnt, Belgien verliert

Obwohl die Belgier sehr stolz sind, dass Herman Van Rompuy zum europäischen Ratspräsidenten bestimmt worden ist, beunruhigt sie der Abgang ihres Premierministers. Van Rompuy hatte das Land nach einer schweren politischen Krise wieder in ruhigere Gewässer gelotst .

Vorläufig bleibt Herman Van Rompuy noch eine Weile im Amt, bevor er am 1. Januar 2010 für zunächst zweieinhalb Jahre den Arbeitgeber wechselt.

Am Freitagmorgen hatte der Premierminister zunächst König Albert aufgesucht. Später traf er mit den Parteivorsitzenden der Koalition zusammen.

Didier Reynders (von den frankophonen Liberalen), Marianne Thyssen (von den flämischen Christdemokraten wie Van Rompuy auch), Guy Verhofstadt (von den flämischen Liberalen), Elio di Rupo (von den frankophonen Sozialisten) und Joëlle Milque (von den frankophonen Christlichsozialen) sind am Freitag auch von König Albert II. empfangen worden.

Rückkehr von Yves Leterme?

Wahrscheinlich wird der aktuelle Außenminister und Vorgänger von  Van Rompuy, der glücklose Yves Leterme, wieder als Regierungschef antreten.

Der Flame hatte bei den letzten Parlamentswahlen 800.000 Vorzugsstimmen erhalten. Allerdings musste er im vergangenen Herbst den Hut nehmen, weil vermutet wurde, er habe den Verkauf des Fortis-Bankversichererers an die Franzosen von BNP Paribas beeinflusst. Seitdem ist Leterme aber von allen Anschuldigungen gesäubert worden.

Für die Lösung gemeinschaftspolitischer Probleme zwischen Flamen und Frankophonen hatte Leterme sich mit den frankophonen Politikern in seiner Regierung überworfen.

Inzwischen scheinen die Wogen geglättet. Joëlle Milquet sagte am Freitagmorgen, sie habe keine Probleme, mit Leterme als neuem Premier zusammenzuarbeiten.

Dass Herman Van Rompuy noch einige Wochen im Amt bleibt, lässt vermuten, dass er eine Route für die bevorstehenden Verhandlungen über die Staatsreform und die Aufteilung des zweisprachigen Wahlkreises Brüssel-Halle-Vilvoorde aufzeichnen wird.

Die Oppositionsparteien haben infolge des bevorstehenden Wechsels an der Regierungsspitze Neuwahlen gefordert.