Presseschau: Belgiens EU-Kommissar

Mit dem Posten des Handelskommissars für Karel De Gucht (Foto) hat unser Land einen weiteren Spitzenjob bei der Europäischen Union an Land gezogen und das ist am Samstag auf den Titelseiten der Wochenendzeitung das wichtigste Thema.

„Die Europäische Union wird immer belgischer“, titelt De Tijd. Die Berufung von Karel De Gucht zum EU-Handelskommissar ist eine weitere Bestätigung dafür wie erfolgreich die belgische Diplomatie ist. „Noch nie war Belgien so mächtig“ lesen wir auf Seite 1 von Het Nieuwsblad.

Herman Van Rompuy ist jetzt Europas Präsident, Karel De Gucht EU-Handelskommissar und Jacques Rogge der Vorsitzende des Internationalen Olympischen Komitees. Und dann ist da auch noch Serge Brammertz, Chefankläger beim internationalen Jugoslawien-Tribunal, schreibt Het Nieuwsblad.
 

Die neue Europäische Kommission ist auch das Thema Nr.1 in den Kommentaren

La Libre Belgique setzt hohe Erwartungen in die neue Kommission. Ihre Vorgängerin habe nämlich nicht sehr viel bewiesen. Der Kommissionsvorsitzende Barroso wurde nicht wiedergewählt, weil er so tolle Leistungen erbracht hat, sondern, weil es keine anderen Kandidaten gab. Jetzt präsentierte Barroso eine neue und starke Mannschaft und der Lissabon-Vertrag ist in Kraft getreten. Nun gibt es für ihn keine Entschuldigungen mehr.

Das sieht auch Le Soir im Leitartikel ähnlich. Jetzt stimmt alles. Das neue Europaparlament, die neue Kommission und der neue Vertrag. Der Lissabon-Vertrag verschafft der Europäischen Union mehr Macht und sorgt dafür, dass Europa auf dem internationalen Parkett eine wichtigere Rolle spielen kann. Fast eine halbe Milliarde Europäer teilen jetzt ein gemeinsames Schicksal, schreibt Le Soir.

De Standaard kritisiert die anhaltende Kritik an der europäischen Entscheidungsfindung. Es stimmt, dass die europäischen Spitzenjobs in Hinterzimmern verteilt werden und dass der Lissabon-Vertrag voller Kompromisse und Ausnahmen steckt. Jetzt darf aber kein Raum mehr sein für lähmenden Pessimismus. Die Bürger müssen sich selbst anstrengen und ihre demokratischen Rechte nutzen. Nur so hat das europäische Projekt eine Zukunft.

 

Fähige Mannschaft

Daran glaubt auch der Leitartikler von De Tijd. Barroso hat eine fähige Mannschaft zusammengestellt. Es bleibt zu hoffen, dass er diese Trümpfe ausspielt, damit Europa endlich Fortschritte macht.

Kritischer sieht das L'Echo. Tatsache bleibt, dass die Kommission mit ihren 27 Mitgliedern noch immer agiert wie eine mexikanische Armee. Das wird sich nicht bessern, wenn in naher Zukunft auch noch Kroatien und Island den Beitritt schaffen und ebenfalls einen Kommissar entsenden.

Het Nieuwsblad kommentiert: unser Land stellt jetzt mit Van Rompuy und De Gucht zwei der wichtigsten Europäer. Das ist sehr gut für unser Image, bringt aber auch eine Verpflichtung mit sich. In Zukunft wird sich die internationale Presse noch mehr für unser Land interessieren. Und da können gemeinschaftspolitische Streitereien und nicht nachvollziehbare Finessen in Sachen Brüssel-Halle-Vilvoorde sehr rufschädigend sein.

Dass Belgien zwei europäische Spitzenjobs erhielt, bedeutet, dass wir das europäische Spiel taktisch und strategisch gut beherrschen, meint Het Belang van Limburg. Das kommt, weil unsere Politiker diese europäischen Spielregeln im eigenen Land gründlich erlernt haben.