Hohe Arbeitsplatzverluste wegen Krise

Im vergangenen November wurde bereits die Vernichtung von über 3.000 Jobs angekündigt und es kommt noch viel schlimmer: in Antwerpen stehen bei Opel und auch bei Bayer im schlimmsten Fall noch 3.000 weitere Arbeitsplätze auf der Kippe.

Inzwischen vergeht kaum noch ein Tag ohne eine neue Hiobsbotschaft. Gerade erst hatte sich die Galgenfrist für Opel-Antwerpen noch einmal verlängert, da kündigte die Direktion von DHL in Diegem bei Brüssel am Freitag einen sozialen Kahlschlag an. Knapp 100 Stellen sollten dort ohnehin schon abgebaut werden, jetzt kommen noch einmal 788 hinzu.

Der Grund: der deutsche Kurierbetrieb verlegt sein europäisches Hauptquartier von Brüssel nach Bonn.
Die drohende Streichung von knapp 900 Jobs, das ist ein Schlag ins Gesicht.

Die Direktion freilich sieht das nicht so. Den 788 betroffenen Mitarbeitern werde ein Job in einer der drei anderen Niederlassungen angeboten. Gut und schön, doch befinden sich besagte drei Niederlassungen in Bonn, Leipzig oder… Prag. Flanderns Ministerpräsident Kris Peeters nannte dieses vermeintliche Angebot geradezu zynisch.

Noch sehr viel mehr Arbeitslosigkeit

Je höher sich die Akten der Problemkinder auf dem Schreibtisch des flämischen Ministerpräsidenten stapeln, desto hilfloser wirkt Kris Peeters (Foto); und dieser Eindruck kommt wohl auch der Realität sehr nahe: einmal mehr rächt sich der Umstand, dass die Entscheidungen längst nicht mehr in Brüssel, Lüttich oder Antwerpen, getroffen werden, sondern in Paris, Berlin oder Detroit.

Belgien muss tatenlos zusehen, wie große Multinationals ihre belgischen Niederlassungen schließen, wie sie ihre Europäischen Hauptsitze in die Heimat verlagern.

Im Augenblick bekommt vor allem Flandern die Krise mit voller Wucht zu spüren. Vor diesem Hintergrund warnte die Zeitung "Het Laatste Nieuws" schon vor einem Szenario, wie es die Wallonie vor einigen Jahrzehnten erleben musste.

Der flämische Ministerpräsident ist sich darüber im Klaren, dass es womöglich noch viel dicker kommt: Er warne schon seit längerer Zeit vor einem Kahlschlag auf dem flämischen Arbeitsmarkt. Und diese Befürchtungen scheinen sich jetzt leider zu bewahrheiten. Schätzungen zufolge könnten bis Ende 2010 insgesamt 54.000 Jobs in Flandern vernichtet werden, befürchtet Peeters

Schon vor einigen Monaten hatte das belgische Planbüro ein düsteres Zukunftsbild für den hiesigen Arbeitsmarkt gezeichnet. Die Zahl der Arbeitslosen könnte demnach 2009-2010 um über 170.000 ansteigen. Jetzt bekommen diese Zahlen täglich ein Gesicht…
 

Flandern investiert 800 Millionen

Um der Welle von Betriebsschließungen und Massenentlassungen etwas entgegenzusetzen, kündigte Ministerpräsident Kris Peeters in der VRT-Sonntagstalkshow ‚De zevende dag’ (dt.: Der siebte Tag) Investitionen der flämischen Regierung in Höhe von 800 Millionen Euro an.

So sollen unter anderem günstige Kredite für die Entwicklung der Massenproduktion elektrischer Autos zur Verfügung gestellt werden. 22,5 Millionen Euro sollen zusätzlich in einen Beschäftigungsplan fließen.

Um für ausländische Unternehmen Investitionen in Flandern wieder attraktiver zu machen, soll die Bürokratie schlanker werden. Auch wird das entsprechende Regelwerk einfacher gestaltet. Es gehe nicht an, dass ein Bürger mit seiner Klage beim Staatsrat, dem höchsten Verwaltungsgericht, die beschlossene Erschließung eines neuen Gewerbegebietes erheblich verzögere oder unmöglich mache, so Peeters.

Peeters rief auf die Gewerkschaften zu mehr Verantwortungsbewusstsein und Kompromissbereitschaft auf, um gemeinsam mit den Arbeitgebern Arbeitsplätze zu retten. Das war ein Fingerzeig an die Gewerkschaften von Bayer-Antwerpen, wo die Schließung der Niederlassung und der Verlust hunderter Jobs drohen, wenn die Tarifverhandlungen scheitern.