Vlaams Belang: der Anfang vom Ende?

"Aus Protest gegen den Machtsübergriff des Antwerpener Gemeinderats" hat Frank Vanhecke, langjähriger Vorsitzender der rechtsextremen Partei Vlaams Belang, das Handtuch geschmissen. Die flämische Rechtsextremisten sind so zerstritten wie nie seit der Gründung des Vlaams Blok im Jahre 1979.

Zu einer offenen Krise kam es auf der Sitzung des Parteivorstands am Sonntag nicht, als ein strategischer Text vom Vorsitzenden Bruno Valkeniers verabschiedet wurde.

Aber hinter den Kulissen brodelt es. Nur einen Tag nach dem der Parteivorstand getagt hatte und kritische Stimmen laut geworden waren, trat Frank Vanhecke aus dem Vorstand zurück.

Vanhecke sagte, er wolle damit gegen die Machtübernahme der Antwerpener Vlaams-Belang-Mitglieder protestieren. In der Partei pflichtet nicht jeder den Ansprüchen von Filip Dewinter und Gerolf Annemans bei, die wichtigsten Posten zu besetzen.

"Mit meinem Rücktritt bleibe ich konsequent", sagte Frank Vanhecke. Er hatte gegen den Strategievorschlag von Valkenier aufgerufen. Vanhecke bleibt jedoch Mitglied der Partei.

Vanhecke, der sich Ehrenvorsitzender der Partei nennen darf, ist nicht das einzige Parteischwergewicht, das dem Vlaams Belang den Rücken kehrt.

Marie-Rose Morel hatte bereits ihre Kandidatur als Vizevorsitzende zurückgezogen. Auch das ostflämische Aushängeschild Karim Overmeire weigerte einen Sitz im Parteivorstand.

Der amtierende Parteivorsitzende Bruno Valkeniers bedauerte den Rücktritt von Vanhecke. Er hofft aber, weiterhin auf die Mitarbeit von Vanhecke im Parteibüro zählen zu können.

Kein gemütlicher "Old Boys Club"

Zwischen 1996 und 2008 war Frank Vanhecke Vorsitzender der rechtsextremen Vlaams Belang. Er folgte dem Gründer des Vlaams Block, Karel Dillen, der die Partei 1979 aus der Taufe gehoben hatte.

Im vergangenen Jahr kandidierte Vanhecke nicht mehr als Vorsitzender: "Vlaams Belang muss eine effiziente und attraktive, streithafte Organisation bleiben und kein gemütlicher "Old Boys Club" werden", hatte Vanhecke damals erklärt.

Sein Nachfolger wurde Bruno Valkeniers.

Die Partei geriet in schwieriges Fahrwasser, als sie sich in zwei Lager spaltete: Einerseits Filip Dewinter und Gerolf Annemans, beide im Gemeinderat von Antwerpen vertreten, andererseits Marie Rose Morel und Frank Vanhecke. Die enge Freundschaft zwischen Morel und Vanhecke sorgte ebenfalls für Unruhe in der Partei.

Gegenwärtig ist Vanhecke auch Mitglied des europäischen Parlaments. Seine Unantastbarkeit als Parlamentarier wurde 2008 aufgehoben. Ihm steht noch ein Prozess in Aussicht wegen eines Verstoßes gegen die Antirassismusgesetzgebung in einer Parteizeitung.