Jeder dritte Häftling nimmt Drogen

Aus einer Untersuchung des Justizministeriums geht hervor, dass Cannabis die am häufigsten gebrauchte Droge in den Haftanstalten ist, gefolgt von Heroin und illegalen Arzneimitteln.

Grund für den Drogenkonsum sind Langeweile, Stress und der Wunsch, die Probleme zu vergessen.

Einer von drei Haftinsassen gab auch an, im Gefängnis zum ersten Mal Drogen genommen zu haben.

Laurent Sempot von der Gefängnisverwaltung reagierte nicht verwundert auf die Zahlen, sondern sagte, er hätte eigentlich einen höheren Drogenkonsum erwartet.

Gegenwärtig handhaben die Gefängnisbehörden eine repressive Politik, neben der Behandlung und Prävention, sagt Sempot: "In einer Haftanstalt leben die Menschen dicht gedrängt. Die Versuchung, Drogen zu nehmen, ist also groß, wenn jemand in der gleichen Zelle konsumiert. Diese Problematik müssen wir auf jeden Fall behandeln."

Verschärfte Kontrollen?

Justizminister Stefaan De Clerck (CD&V) ist bereit, zu untersuchen, ob verschärfte Kontrollen den Drogenmissbrauch in den belgischen Haftanstalten zurückdrängen können.

Er will mit den Direktoren der Haftanstalten diesbezüglich Überlegungen anstellen. De Clerck ist jedoch kein Befürworter eines Methadonprogramms für heroinabhängige Häftlinge.

Arbeitsstrafen nicht fristgerecht

Seit der Einführung der Arbeitsstrafe konnte diese Art von Bestrafung - Ausführung von gemeinnützigen Arbeiten - bereits 800 Mal nicht innerhalb der festgelegten Frist von 12 Monaten ausgeführt werden.

Fast ein Drittel der verhängten Strafen sind Arbeitsstrafen. In den letzten fünf Jahren hat sich die Zahl der Akten verdoppelt: Es ist nicht mehr möglich, für jeden Fall eine gemeinnützige Arbeit innerhalb eines Jahres zu finden.

Probleme stellen insbesondere die Wochenenden dar: "70 % der Menschen, die eine Arbeitsstrafe erhalten, sind jünger als 30 Jahre und arbeiten in einem festen Beruf. Sie können ihre Arbeitsstrafe also nur am Wochenende oder abends abarbeiten", sagt Veerle Pasmans von den Justizbehörden in Antwerpen. Für diese Zeitspanne sind nicht ausreichend Plätze vorhanden.