Kein Vorsitzender der UNO-Vollversammlung

Louis Michel, Ex-Vizepremierminister für die frankophonen Liberalen und Ex-EU-Kommissar für Entwicklung, musste dem Schweizer Joseph Deiss, mit 14 gegen 15 Stimmen, den Vorsitz der UNO-Vollversammlung überlassen.

So konnte es wohl nicht weitergehen: Belgien bekam in den letzten Monaten den einen Spitzenjob nach dem anderen zugeschustert: Guy Verhofstadt (Open VLD) wurde Fraktionsvorsitzender der Europäischen Liberalen, Karel De Gucht (Open VLD) bekam den Posten als EU-Kommissar für Handel und Herman Van Rompuy (CD&V) wurde europäischer Ratspräsident.

 

Louis Michel glaubt, dass diese Tatsache eine Rolle gespielt haben könnte, als über die beiden Kandidaten für den Vorsitz der UNO-Vollversammlung abgestimmt wurde.

Michel reagierte aber vor allem enttäuscht darüber, dass einige EU-Mitgliedstaaten ihn im Stich gelassen haben. "Es ist hart zu erfahren, dass nur eine Stimme fehlte, aber noch viel härter, dass wenigstens fünf europäische Länder für einen Schweizer Kandidaten gestimmt haben. Eine schwere Enttäuschung, dass der europäische Reflex nicht funktioniert hat."

 

Auch Deutschland nicht für Michel

Dass Italien und Österreich nicht für Michel gestimmt haben, wunderte den belgischen Politiker nicht. "Aber Finnland und Deutschland: Das begreife ich nicht. Bei Großbritannien ist es sicher zur Gewohnheit geworden, nicht für einen Belgier zu stimmen. Schade, dass bei einer solchen Verantwortung die europäische Einheit nicht spielt."

Louis Michel, der im Juni ins Europaparlament gewählt wurde, will jetzt in diesem Rahmen an seinen Projekten "Kämpfen für die Ärmsten der Armen" weiter arbeiten.