100. Todestag von Leopold II.

Die Belgier feiern den 100. Todestag von Leopold II. kaum, denn er war nicht der König, an den sich die Belgier gerne und mit Stolz erinnern. Mit ihm werden die vielen Gräueltaten im Kongo, Ausbeutung und Missbrauch der einheimischen Bevölkerung in Verbindung gebracht.

Leopold II. hieß eigentlich Leopold, Louis, Philippe, Marie, Victor und wurde am 9. April 1835 auf Schloss Laken in Brüssel als Sohn von Leopold I. und Louise-Marie geboren. Leopold II., aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha, war bis 1865 Herzog von Brabant und Prinz von Belgien.

Am 17. Dezember folgte er seinem Vater Leopold I. auf den Thron und wurde König der Belgier.

Er ist vor allem bekannt als der König, der das afrikanische Land Kongo erkunden ließ und es dann ausbeutete. So entsandte er den Briten Henry Morton Stanley auf Entdeckungsreise in den Kongo. Dort gründete Leopold den Freistaat Belgisch-Kongo. Er erhielt internationale Unterstützung für sein Unterfangen. Auf der Berliner Konferenz (1884-1885) wurde das gesamte Projekt und damit indirekt auch der unabhängige Kongostaat anerkannt und Leopold Herrscher dieses Landes.

Ein Teil des Gebietes im Nordosten des Landes ging in den Privatbesitz des Königs über, der Rest wurde Konzessionärsgesellschaften übertragen. Die Kolonie sollte vor allem Geld einbringen, fand Leopold II. Dies erfolgte durch den Export vor allem von Elfenbein und Kautschuk aus dem Kongo.

Die einheimische Bevölkerung wurde dabei schwer misshandelt und ausgebeutet. All dies hat Leopold II. selbst nicht zu sehen bekommen, da er nie persönlich im Kongo war.

Die Auswüchse der Kongo-Politik Leopolds II. stießen international auf viel Kritik. 1904 setzte Leopold II. eine internationale Untersuchungskommission ein. Diese erkannte zwar die Verdienste der königlichen Aktion im Kongo an, bestätigte zugleich jedoch auch die Misstände und Greueltaten gegenüber der einheimischen Bevölkerung. Die Kritik wurde schärfer und Leopold II. sah sich genötigt, den unabhängigen Kongostaat Belgien zu überlassen. 1908 wurde das riesige Territorium dann eine Kolonie Belgiens und in Belgisch-Kongo umbenannt.

Leopold II - privat

Weniger löblich waren auch seine romantischen Eskapaden. Auf Drängen seines Vaters heiratete Leopold II. im Alter von 18 Jahren die 16-jährige Marie-Henriette von Habsburg-Lothringen (Foto), die Tochter von Erzherzog Joseph von Österreich, einem Sohn des Kaisers Leopold II. Es war eine rein politische Heirat, denn beide Partner fühlten vor allem Abneigung füreinander.
 

Trotzdem hatten sie vier Kinder: Louise-Marie, Leopold, Stéphanie und Clémentine. Nach dem Tod seines einzigen Sohnes Leopold (1859-1869) und der Geburt von von Clémentine (1872) - wieder kein Sohn, war der Bruch zwischen Leopold II. und Marie-Henriette endgültig.

Leopold hielt sich häufig im Ausland auf. Als herauskam, dass der König eine Geliebte hat, Blanche Delacroix, wurde Leopold II. scharf kritisiert. Insbesondere die Presse sparte nicht mit bissigen Kommentaren. Delacroix bekam 2 Söhne von Leopold II.

Im September 1909 kehrte der König krank aus Paris zurück, er starb 3 Monate später, am 17. Dezember 1909, an einer Gehirnblutung. Am Sterbebett heiratete Leopold II. noch seine Geliebte Delacroix.

Leopold II. und seine Baupläne

Leopold II. hatte große Pläne, vor allem große städtebauliche Pläne in Brüssel, die er teilweise sogar mit eigenem Geld finanzierte. Hierzu gehörten unter anderen der Triumphbogen im Jubelpark, die Avenue de Tervuren (eine breite, prunkvolle Avenue unweit des Jubelparks) sowie das Afrikamuseum, das Schloss in Laken und zahlreiche Parkanlagen. Viele Projekte brauchten jedoch sehr viel länger als geplant. So wurden der Jubelpark und der Triumphbogen erst gegen 1905 fertig.