Antwerpen hängt sich an die Zenne-Klage

Die Stadt Antwerpen schließt sich einer Klage von Seiten Joke Schauvlieges, der Umweltministerin des belgischen Bundeslandes Flandern, gegen die Region Brüssel-Hauptstadt und die Betreibergesellschaft der schadhaften Brüsseler Kläranlage Aquiris an.

Das ungeklärte Abwasser von gut anderthalb Millionen Brüsselern fließt seit gut einer Woche von der Zenne aus in die Schelde. Darum schließt sich Antwerpen der Klage von Landesumweltministerin Joke Schauvliege (CD&V) an.

Jüngste Messungen des Scheldewasser versprechen nichts Gutes. Bereits jetzt sollen die Folgen des ungeklärten Abwasserzuflusses aus Brüssel zu spüren sein. In der Zenne sind die Fische bereits verschwunden. Offenbar haben sie sich in Rupel und Schelde zurückgezogen.

Die Niederlande, durch die die Schelde auf dem Weg in die Nordsee fließt, warten ebenfalls bereits auf die Auswirkungen des Skandals. Die dortige Wasserschutzbehörde "Rijkswaterstaat" nimmt zusätzliche Wasserproben und analysiert die Wasserqualität in der Westerschelde in Zeeland.

Das Klärproblem

Die Kläranlage für die Zenne liegt im Norden Brüssels. Sie ist 2008 in Betrieb genommen worden und steht unter der Regie des privatwirtschaftlichen Unternehmens Aquiris. Seit Monaten streiten sich Aquiris und die Region Brüssel-Hauptstadt um das Bezahlen von zusätzlichen Kosten, die durch die Beseitigung des sich ansammelnden Abfalls aus dem Abwasser ergeben. Vor einer Woche hatte Aquiris die Anlage abgeschaltet, denn große Mengen an Müll, Schlick und Sandrückständen bedrohen das Funktionieren der Kläranlage.

Fachleuten zufolge ist die Kläranlage eine Fehlkonstruktion und die jetzt aufgetretenen Probleme waren offenbar absehbar. Davon soll auch Brüssels grüne Landesumweltministerin Evelyne Huytebroeck (Ecolo) gewusst haben. Sie musste unterdessen vom Klimagipfel in Kopenhagen zurückkehren, um im Brüsseler Regionalparlament Rede und Antwort zu stehen. Ihr wird unter anderem vorgeworfen, ihre Kabinettskollegen von den Problemen mit Aquiris nichts mitgeteilt zu haben. Mangelnde Kommunikation steht als Vorwurf ebenfalls im Raum. Allerdings sprach ihr die akktuelle Mehrheit im Brüsseler Regionalparlament das Vertrauen aus.

Die Anlage soll ab Donnerstagabend wieder provisorisch arbeiten. Dazu werden zuerst vier Pumpen installiert, die jeweils 600 Kubikmeter Wasser pro Stunde reinigen können. Allerdings entspricht diese Wassermenge nur knapp einem Drittel der effektiv abgeführten Abwässer Brüssels. In den kommenden Tagen werden zwei weitere Pumpen angeschlossen, womit 80 % der erforderlichen Menge geklärt werden können.