Danneels' letzte Mitternachtsmesse

Donnerstagnacht hat Kardinal Godfried Danneels in der Sint-Michiels- und Sint-Goedelekathedrale in Brüssel die letzte Mitternachtsmesse seiner Amtszeit gehalten. Danneels ist 76 Jahre alt und sollte voriges Jahr bereits pensioniert werden.

In seiner Predigt sprach das Oberhaupt der katholischen Kirche in Belgien über den jüngsten Klimaschutzgipfel in Kopenhagen: "Leider  wurde die Sorge um den Planeten nicht mit konkreten Beschlüssen  aufgefangen, aber dass wir uns Sorgen machen, wurde in Kopenhagen ausdrücklich fest gehalten."

Der Kardinal sprach auch über die geistige und moralische Verschmutzung und über das Leiden der Armen und Obdachlosen.

"Weihnachten ist auch das Fest der Kinder, der Väter und Mütter und der ganzen Familie", sagte Danneels und stellte einen Vergleich mit der Ökologie an: "Die Ökologie der Eheleute und Familien. Dort die Verschmutzung, hier der Klimaschutz, den wir in dieser Zeit und Kultur dringend brauchen: Die Sorge um die Liebe zwischen Mann und Frau, zwischen Eltern und Kindern, zwischen Söhnen  und Töchtern und ihren Eltern."

"Und die anderen Kinder: die Armen und Obdachlosen in den Straßen dieser kalten Winternächte. Ja, auch sie - so wie die gesamte Gesellschaft - leiden an den CO²-Emissionen des unnötigen Luxus und der Verschwendung, die unsere Gesellschaft heimsucht. Hier stehen auch Schornsteine, die dunklen Rauch in den Himmel blasen. Auch hier fehlen die Filter für unsere Habgier. Einsatz und Sensibilisierung sind notwendig, um die Ökologie der Familie und der Gesellschaft zu gewährleisten."

Danneels kritisierte auch den Geschenkregen, den Weihnachten auslöst: "Das einzige Geschenk, sagt Gott, das mich erfreut, ist die Liebe. Denn Liebe ist das einzige Geschenk, das bleibt", sagte Danneels.

 

Danneels geht in Rente

In einem kurzen Gespräch mit der Nachrichtenredaktion der VRT sagte Danneels, dass es sich bei der Ernennung eines neuen belgischen Kardinals durch den Papst nur noch um einige Wochen handelt.

Während seiner Pension will Danneels "alles tun, was ein Rentner nun mal so tut": nämlich das nachholen, wofür er in den letzten Jahren zu wenig Zeit hatte: "In erster Linie mehr beten, denn als Bischof muss man fast seine Zeit stehlen, um Beten zu können."

Außerdem will er mehr in der Bibel lesen, Wandern gehen und die Natur genießen. Schließlich wünscht sich der künftige Rentner auch noch, aktiver am kulturellen Leben teilzunehmen.