Altes "Kongoboot" steht in Rostock

Von dutzenden "Paketbooten", die früher die Schifffahrtslinie zwischen Antwerpen und Matadi in der früheren belgischen Kolonie Kongo befuhren, existiert nur noch eins und das steht heute im Hafen von Rostock als schwimmende Jugendherberge.

"Wasser-Kulturerbe Flandern“ möchte dieses Schiff jetzt wieder nach Belgien zurückholen. Die Compagnie Maritime Belge (CMB) hatte von diesem Typ vier Exemplare.

Nur eines davon, die ehemalige "Charlesville“, existiert noch. Sie wurde in den 1970er Jahren in die damalige DDR an die Volksarmee verkauft und heißt dort "MS Georg Büchner“.

Das Schiff der so genannten "Paketboot-Klasse“ - diese Schiffe wurden auch "Kongoboote“ genannt und trugen die Namen von kongolesischen Städten - pendelte zwischen ihrem Baujahr 1951 und 1967 zwischen den Häfen von Antwerpen und Matadi (Foto).

Damals brauchte die "Charlesville“ (Foto oben) rund drei Wochen für die Überfahrt. Sie transportierte Waren und Güter und bei jeder Fahrt auch bis zu 250 Fahrgäste - Ein- und Auswanderer, Diplomaten, in der Kolonie tätige Beamte, Familienangehörige und viele mehr. Das 10946 BRT-Schiff hatte 140 Mann Besatzung.

In Antwerpen legten diese Schiffe am Kai der CMB am Churchilldock an und ab.

Erste Versuche eines Ankaufs scheiterten

Bereits Ende der 1980er Jahre versuchten Historiker der Vereinigung "Wasser-Kulturerbe Flandern“ die frühere "Charlesville“ in Rostock zu kaufen, doch dies scheiterte an einem extrem hohen Preis, der damals umgerechnet anderthalb Millionen € betragen hätte.

So kann man heute noch auf diesem Schiff für 52 € übernachten und frühstücken. Das Schiff gehört der Stadt Rostock und heißt jetzt offiziell "Jugendgästeschiff Rostock“.

Die flämischen Seefahrts- und Kongohistoriker entdeckten die "Charlesville“ alias "MS Georg Büchner“ über einen Beitrag in einer britischen maritimen Fachzeitschrift und wunderten sich nicht schlecht, denn bis dahin war man davon ausgegangen, dass keines der legendären "Kongoboote“ mehr bestehen würde.

Die Historiker träumen davon, das Schiff wieder nach Antwerpen schleppen zu lassen, wie sie gegenüber den flämischen Tageszeitungen "De Morgen“ und „Het Nieuwsblad“ äußerten. Es könnte als Erweiterung des "Red Star Line-Museums“ vor Anker gelegt werden.

Die Fachleute erinnern auch daran, dass andere europäische Häfen ebenfalls versuchen, frühere legendäre Schiffe in ihre alte Heimat zurückzubringen. Solche Vorgänge würden das Image der Häfen aufpolieren und gleichzeitig Geschichte und Erinnerungen bewahren.