Neuer Primas für Belgiens Katholiken

Der bisherige Bischof von Namür, André-Mutien Léonard wird Nachfolger von Kardinal Godfried Danneels, dem Primas der katholischen Kirche in Belgien und Erzbischof des Bistums von Brüssel und Mechelen. Diese Meldung muss noch offiziell von Rom bestätigt werden.

André-Mutien Léonard gilt als konservativer Kirchenmann und ist ein persönlicher Freund von Papst Benedikt XIV. Der 70jährige war bisher Bischof des Bistums von Namür im französischsprachigen Landesteil Belgiens, dem größten Bistum des Landes.

Léonard ist nicht unumstritten. Er ist ein strenger Katholik und auch als Bischof von Namür fuhr er einen strengen Kurs. Er gilt als kluger Stratege und kennt als guter Kommunikator die Welt der Medien. Zudem ist er ein gern gesehener Gast am belgischen Königshof. Der Bischof spricht mehrere Sprachen und ist sehr ambitioniert.

Als neuer belgischer Erzbischof ist Léonard der Nachfolger von Godfried Danneels. Der hatte vor zwei Jahren als damals 75jähriger - wie es Usus in der Kirche ist - seine Rente angekündigt. Papst Benedikt XIV bat Danneels allerdings damals noch eine Zeit lang weiterzumachen.

Glanzvoller Abschied

Diese bitte des Papstes in Rom ermöglichte dem beliebten Erzbischof noch im vergangenen Jahr die Heiligsprechung Pater Damians und den 450. Geburtstag „seines“ Erzbistums von Brüssel und Mechelen zu erleben.

Am 25. Dezember las Danneels in der Kathedrale von Brüssel seine letzte Mitternachtsmesse und am vergangenen Wochenende verabschiedete er sich bei mehreren Messfeiern von den Kirchen seines Einflussbereiches in der Hauptstadt, in Nijvel und in Mechelen.

Dabei gab er an, die Kirche, die ihn sein ganzes Leben lang begleitet habe, zu lieben. Der Freund schöner Künste wird sich in sein Privatleben zurückziehen.

Wer ist André-Mutien Léonard?

André-Mutien Léonard kam kurz nach der deutschen Invasion in Belgien 1940 zur Welt. Sein Vater viel kurz nach der Geburt seines Sohnes im Zuge der Kämpfe.

Er wird, genau wie seine beiden Brüder, Priester. Er studierte Theologie in Rom und wurde später Professor an der Katholischen Universität von Louvain-La-Neuwe (Neu-Löwen) in Wallonisch-Brabant.

1991 wurde er zum Bischof des Bistums von Namür in der gleichnamigen Provinz in der frankophonen Region Wallonien ernannt. Léonard ist gern gesehener Gast im belgischen Königshaus und im Vatikan in Rom. Er gilt als persönlicher Freund von Papst Benedikt XIV.

André-Mutien Léonard gilt als konservativ und als Vertreter der Tradition. Seiner Ansicht nach sollen Homosexuelle nicht heiraten dürfen und er ist gegen Sex vor der Ehe. Er vertritt die „reine Lehre“, ist intelligent und kann sich sehr gut in den Medien verkaufen. Der Kirchenmann geht keiner fundierten Diskussion aus dem Weg.

Allgemein wird erwartet, dass der Vatikan mit der Ernennung des konservativen Bischofs zum Kardinal für Belgien die „Zügel in unserem Land wieder straffen will“.

Allerdings genießt Léonard großes Ansehen wegen seiner stark sozialen Prägung. So hilft er finanzschwachen Pfarren und unterstützte er Priester, die in ihren Kirchen Obdachlose unterbrachten oder illegalen Einwanderern Kirchenasyl gewährten.