"Ich will selbst mit den Menschen diskutieren"

Am Montagmittag hat Kardinal Godfried Danneels den Bischof von Namur André-Mutien Léonard offiziell als den neuen Erzbischof unseres Landes vorgestellt.

Der Name von André-Mutien Léonard wurde bereits vergangenen Freitag von der Presse genannt, aber der Vatikan gab erst am Montag offiziell bekannt, wer der neue Erzbischof wird.

Gleichzeitig stellte der scheidende Erzbischof Godfried Danneels seinen Nachfolger in Mechelen, Teil des Erzbistums Mechelen-Brüssel, vor.

Danneels hieß Léonard herzlich willkommen und dankte ihm, dass er die schwierige Aufgabe des Erzbischofs auf sich nehme.

"Wir haben unterschiedliche Temperamente, das wissen wir, aber wir teilen denselben Glauben. Wir haben eine andere DNA, aber wir sind doch beide mit der römisch-katholischen Kirche verbunden", so Danneels zu den Unterschieden zwischen ihm und seinem Nachfolger.

Der neue Erzbischof Léonard stellte sogleich einige seiner Prioritäten vor, die er umsetzen möchte, zum Beispiel gegen den Mangel an jungen Priestern vorgehen. Er betonte auch, dass er selbst mit den Menschen sprechen und so viele Pfarreien wie möglich besuchen wolle. Als er 1991 zum Bischof von Namur ernannt wurde, machte er es sich nämlich zur Aufgabe, möglichst viele Christen seines Bistums persönlich kennenzulernen.

Léonard wird am 6. Mai 70 Jahre alt und ist der 20. Erzbischof unseres Landes. Die offizielle Amtsübergabe findet Ende Februar statt. Traditionell wird das Erzbistum Mechelen-Brüssel, das einzige zweisprachige Bistum in Belgien, abwechselnd von einem französischsprachigen und einem niederländischsprachigen Erzbischof geleitet. Auf den Flamen, Kardinal Godfried Danneels, der des Französischen mächtig ist, folgt nun also wieder ein Wallone, der auch Niederländisch spricht.

Der neue Erzbischof wird bis zu seinem 75. Lebensjahr Erzbischof unseres Landes sein.

"Ich wahre, was gewahrt werden muss"

In den vergangenen Tagen wurde auch immer wieder Kritik an der Auswahl des neuen Erzbischofs laut. Léonard gilt als konservativ. Seiner Ansicht nach sollen Homosexuelle nicht heiraten dürfen und er ist gegen Sex vor der Ehe. Er vertritt die „reine Lehre".

"Bislang gab es viele Meinungsverschiedenheiten über mich. Ich hoffe, dass sich mir in den kommenden Tagen die Möglichkeit bietet, selbst mit den Menschen zu diskutieren und dass sie dann einen ganz anderen Eindruck von mir bekommen", sagte Léonard im VRT-Fernsehen.

"Ich kann wohl kaum bestätigen, dass ich progressiv bin. Ich wahre, was gewahrt werden muss und bleibe der christlichen Lehre treu", heißt es. "Ich stehe zu dem, was ich gesagt habe, aber was über mich gesagt wird, stimmt nicht. Natürlich sind Homosexuelle in der Kirche willkommen."

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