Erste Belgier aus Haiti zurückgekehrt

Am Brüsseler Militärflughafen ist am Sonntagabend ein Airbus mit 106 Menschen aus dem haitianischen Erdbebengebiet an Bord gelandet. Unter ihnen befanden sich auch 40 Belgier und einige Helfer des belgischen B-Fast-Teams.

Die Mitarbeiter von B-Fast hatten unter sehr schwierigen Umständen ihrer Arbeit nachgehen müssen. "Das war eine de schlimmsten Katastrophen, die ich je gesehen habe", erzählt Rik Telamon, Teamchef von Search & Rescue des B-Fastteams. "Einige Gegenden sind zu 80 Prozent zerstört."

Alle Mitarbeiter des Teams werden in den kommenden Tagen psychologische Betreuung erhalten. Dies gilt auch für die Repatriierten und ihre Familien.

Der Rest des B-Fast-Teams bleibt in Haiti, um dort im Feldlazarett zu helfen.

Der Airbus A330 hatte zuvor Helfer und Material nach Haiti geflogen, um in der vom Erdbeben getroffenen Region das Feldlazarett der Belgier aufzubauen.

Das Außenministerium sucht noch immer nach 87 Belgiern, die sich in Haiti aufhalten sollen. Drei von ihnen sind inzwischen offiziell als vermisst gemeldet.

Am Sonntagabend sind auch 34 Armeeangehörige von Belgien aus nach Haiti abgeflogen. Es handelt sich hierbei vor allem um Fallschirmspringer, die die belgischen Helfer und Diplomaten vor Ort schützen sollen. Durch das Beben sind die staatlichen Strukturen in dem Karibikstaat zusammengebrochen und angesichts der schleppenden Nothilfe schlägt die Verzweiflung bei vielen Menschen in Wut um.

Inzwischen versucht die UNO, die Verteilung von Hilfsgütern zu organisieren, was sich als sehr schwierig gestaltet. Die UNO will jeden Tag 600.000 Menschen ein Nahrungsmittelpaket zukommen lassen, aber vorerst erreicht sie nur 65.000.

Die haitianische Regierung hat den Ausnahmezustand ausgerufen. Dieser werde noch bis Ende des Monats gelten, heißt es. Danach folgt eine Periode der nationalen Trauer bis  zum 17. Februar.

Bislang sind 70.000 Opfer geborgen worden. Sie wurden in Massengräbern beerdigt.

"Plötzlich kam die Decke herunter"

"Ich bin froh, dass ich noch lebe, denn ich habe viele Kollegen verloren", erzählt Michael Asima, Mitarbeiter der Vereinten Nationen.

Sein UN-Kollege, Wouter De Weerdt (Foto), hofft, in einigen Wochen wieder nach Haiti zurückkehren zu können. "Ich war in meinem Büro der UNO, als plötzlich die Decke herunter kam, ohne Vorwarnung, ohne Vorbeben", erzählt er. " Die Kommunikation brach danach fast vollständig zusammen. Ich konnte erst knapp 24 Stunden später eine E-Mail versenden, aber nicht telefonieren. Die Telefonlinien funktionierten nicht."

De Weerdt hat Schreckliches mitgemacht: "Ich habe Kollegen unter den Trümmern sterben und andere rufen hören." Trotzdem will er nur vorübergehend nach Hause. "Ich kann diesen Flug dazu nutzen, um kurz hierher zu kommen, einen Arzt aufzusuchen und neue Papiere zu beantragen. Ich hoffe, ich kann in ein paar Wochen zurückkehren. Dort ist meine Arbeit. Meine Leute sitzen noch dort, ich werde sie nicht im Stich lassen. Das wäre unmenschlich."

"Das war die totale Apokalypse", sagt Joris Willems, Mitarbeiter der Organisation "Broederlijk Delen" ("Brüderlich teilen"). "Ich war zu Hause und saß auf meinem Dach. Ich habe das Haus meiner Nachbarn einstürzen sehen sowie Häuser vor und hinter mir." Willems wäre dennoch lieber in Haiti geblieben, anstatt nach Hause zurück zu kehren. "Ehrlich gesagt wäre ich lieber dort geblieben, um zu helfen. Das ist klar, ich wohne dort, ich arbeite dort, habe dort Bekannte und Freunde."