Belgien beschleunigt Adoptionen aus Haiti

In Belgien sollen Adoptionsverfahren mit haitianischen Kindern beschleunigt werden. Insgesamt sollen 13 haitianische Kinder, deren Adoption bereits vor dem Erdbeben angelaufen ist, "in den nächsten Tagen" mit dem Flugzeug nach Belgien gebracht werden.

Das hat die die Ministerin für Jugend der französischsprachigen Gemeinschaft Evelyne Huytebroeck am Montag angekündigt.

Von den 13 Kindern werden 3 flämischen Familien zugesprochen. Das bestätigte die flämische Familienorganisation Kind & Gezin.

Die geringe Zahl der Kinder, die flämischen Familien zugesprochen wird, ist darauf zurückzuführen, dass Flandern erst seit eineinhalb Jahren erneut Adoptionsverfahren mit Haiti laufen hat. Es sei deshalb normal, dass erst mit drei Adoptionsverfahren begonnen worden sei, heißt es bei der Organisation. Wallonien hingegen hat schon seit langem zahlreiche Anfragen zur Adoption von haitianischen Kindern laufen.

So soll das kleine Mädchen Rose-Berline Etienne, das 2004 geboren wurde und deren Verfahren abgeschlossen wird, bereits jetzt schon ausgeflogen und nach Belgien gebracht werden.

An neue Adoptionen wird derzeit nicht gedacht, da die schwierige Situation nach dem Erdbeben in Haiti, jede Menge Probleme mit sich bringt. So muss zum Beispiel eine haitianische Behörde ihre Zustimmung zur Adoption geben.

Am Montag hatten bereits Frankreich, das traditionell das Land mit der größten Zahl an haitianischen Adoptivkindern ist und die Niederlande damit begonnen, Adoptivkinder aus Haiti auszufliegen.

UNO warnt vor übereilten neuen Adoptionsverfahren

Gleichzeitig warnt die UNO vor Menschen, die Kinder als Adoptivkinder ausgeben und mit ihnen Geschäfte machen. Die laufenden Verfahren dürften zwar beschleunigt werden, aber alle Aufmerksamkeit müsse nun den Kindern gewidmet werden, die ihre Eltern bei dem Erdbeben verloren hätten oder die von ihnen getrennt seien. Fast die Hälfte der haitianischen Bevölkerung ist minderjährig.

Nicht alle Kinder haben ihre Eltern bislang wiedergefunden. So manches Kind hat seine Eltern einfach in dem Chaos verloren.

Es geht also nicht darum massiv Kinder auszufliegen, für die es kein Adoptionsverfahren gibt. Das widerspricht nämlich internationalen Regelungen wie dem Haager Abkommen. Das sieht unter anderem vor, dass gerade nach solchen Katastrophen zwei Jahre nach den Eltern und engen Angehörigen von Kindern gesucht werden muss, bevor diese zur Adoption frei gegeben werden dürfen.

So ist damals nach dem Tsunami in Asien kein einziges Kind unmittelbar adoptiert worden.

Am Montagmorgen hatten sich die Minister Steven Vanackere (Außenminister), Stefaan De Clerck (Justiz) und Staatsekretär Melchior Wathelet (Familienangelegenheiten) über beschleunigte Adoptionsverfahren mit den Ministern der Gemeinschaften Jo Vandeurzen (Gesundheit) und Evelyne Huytebroeck (Jugend) beraten.

Ministerin Huytebroeck erinnerte daran, dass man nicht voreilig handeln dürfe, verteidigte aber die Beschleunigung der Adoptionen in Belgien mit dem Hinweis auf die "Dringlichkeit" der Situaion nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti.