"Das Schlimmste war die Ohnmacht"

Nicht nur die belgische Regierung hat ein Rettungsteam, B-Fast, nach Haiti gesandt, sondern auch die flämische Regierung. Unter der Leitung des Arztes Luc Beaucourt hilft das Ärzteteam, ein Krankenhaus in Port-au-Prince wieder operationell zu machen.

Doktor Beaucourt und sein 15-Mann starkes Ärzte-, Chirurgen- und Sanitäterteam haben alle Hände voll zu tun.

"Die Patienten haben vor allem offene Frakturen und andere Brüche, aber auch enorme Platzwunden und entzündete Wunden", so der Chirurg Beaucourt. 

Hilfsorganisationen fürchten weitere Opfer - Menschen, die schwer verletzt sind und bisher noch nicht behandelt werden konnten. Sie müssten um ihr Leben bangen aufgrund von Infektionen und weil sie immer schwächer würden.

Beaucourt bestätigt diese Sorge. Er rechnet damit, dass noch ein "Dutzend oder mehrere hundert" Überlebende der Katastrophe an den Folgen ihrer Verletzungen sterben werden.

"Ich habe schon viele Katastrophen mitgemacht, aber was mir am meisten zusetzte, war das Gefühl der Ohnmacht als wir hier ankamen. Menschen lagen verletzt auf der Straße und niemand hat sich um sie gekümmert, nach ihnen wurde sich nicht einmal umgedreht."

Das flämische Team hat deshalb in den ersten beiden Tagen zunächst einmal erste Hilfe bei den Kranken auf der Straße geleistet.

Außer der steigenden Infektionsgefahr, drohen sich auch Epidemien auszubreiten. Die Sanitäranlagen sind dürftig bis nicht vorhanden und die Helfer fürchten vor allem Durchfall, Lungeninfektionen und andere Krankheiten in den völlig überfüllten Hilfslagern.

25 Belgier noch nicht gefunden

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag sind noch einmal an die dreißig Menschen aus Haiti am Militärflughafen von Melsbroek angekommen.

Es handelt sich um Retter und Menschen, die sich zum Zeitpunkt des Erdbebens in Haiti befanden. Vergangenen Sonntag war auch schon ein Flug mit etwa hundert Menschen an Bord aus Haiti in Belgien gelandet.

Übrigens sagte Yves Leterme am Donnerstag im Parlament, dass 25 Belgier in Haiti immer noch nicht ausfindig gemacht werden konnten.

Am Mittwoch waren es noch 31 Belgier. Es handelt sich nicht um offiziell Vermisste, sondern um Menschen, von denen nicht genügend Informationen vorliegen.

Seit Mittwoch werden keine Belgier mehr offiziell vermisst.

Unterdessen hat ein Flugzeug mit 106 Adoptivkindern Haiti verlassen. Die Kinder werden zu Adoptiveltern in die Niederlande und nach Luxemburg gebracht. Es handelt sich um Kinder, deren Adoptionsverfahren bereits vor dem Erdbeben angelaufen war. Ihr Verfahren wurde nun beschleunigt. 

Benefizveranstaltung von VRT und VTM

Anläßlich des schweren Erdbebens im Karibikstaat Haiti haben sich 50 flämische Radio- und Fernsehsender in einem "Nachrichtenspot" zusammengetan, um Flandern zum Spenden aufzurufen.

Der öffentlich-rechtliche Sender VRT und der private Sender VTM strahlen am heutigen Donnerstagabend um 20.40 Uhr bis 21.40 Uhr die Benefizshow "Help Haiti" aus.