“Ein offenes und tabuloses Gespräch”

Im Rahmen seines zweitägigen Ruandabesuchs wurde der belgische Außenminister am Samstagvormittag von Präsident Paul Kagamé empfangen. Sie sprachen unter anderem über die bilateralen Beziehungen und regionale Probleme.

„Keinem Gesprächsthema wurde aus dem Weg gegangen“, erklärte der Außenminister nach Ablauf. Eine Frage eines ruandischen Journalisten über den Verbleib von Verantwortlichen des Völkermords, dem in dem zentralafrikanischen Land 1884 etwa 800.000 Menschen zum Opfer fielen, in Europa und Belgien wollte der Vanackere aber nicht beantworten.

Das Gespräch zwischen dem belgischen Außenminister und dem ruandischen Präsidenten fand in Residenz von Kagame in Kigali statt. Anwesend war auch Ruandas Außenministerin Louise Mushikiwabo.

Steven Vanackere ist seit Anfang letzter Woche in Zentralafrika, wo er zuerst die Demokratische Republik Kongo besuchte und danach Ruanda. Sonntag und Montag hält er sich in Burundi auf, wo ebenfalls ein Gespräch mit dem Präsidenten geplant ist.

Der belgische Außenminister sprach mit Paul Kagamé unter anderem über die Rolle die Ruanda in der zentralafrikanischen Konfliktregion spielen kann und über die Anstrengungen für eine Annäherung der während vielen Jahren verfeindeten Nachbarländer Kongo und Ruanda.

Verursacht wurden diese Spannungen durch den ruandischen Genozid und die Präsenz der hierfür verantwortlichen Hutu-Rebellen im Ostkongo.

Zu Sprache kam auch das Wirtschaftsklima in dem Land, die Situation der Menschenrechte und politische Entwicklung. Im kommenden August werden in Ruanda Präsidentschaftswahlen organisiert.
 

Vanackere "zu nett" für De Guchts Geschmack

Der designierte EU-Kommissar De Gucht hat seinem Nachfolger als Außenminister, Steven Vanackere, einen zu freundlichen Umgang mit dem Regime im Kongo vorgeworfen.

Vor dem Hintergrund der menschlichen Dramen, die sich im Kongo abspielten, könne man unmöglich in entspannter Atmosphäre mit Präsident Kabila gemeinsam ein Bier trinken, kritisierte De Gucht.

Außenminister Vanackere kehrt am Montag von einer einwöchigen Rundreise in Zentralafrika zurück und hatte dort nach eigener Darstellung versucht, einen konstruktiven Dialog mit dem kongolesischen Staatschef anzustoßen. Dabei war vor dem Hintergrund des 50-jährigen Gedenkens der Unabhängigkeit unter anderem die Möglichkeit eines Königsbesuches erörtert worden. (Quelle: brf)