Gehen Antwerpens Astras nach Bochum?

Die Astra-Modelle, die das Open-Werk in Antwerpen derzeit noch vom Band laufen lässt, werden wohl ab Juni in Bochum montiert. Dies lässt ein geheimes GM-Papier erkennen, dass am Montag über die „Frankfurter Rundschau“ an die Öffentlichkeit gelangte.

Damit kann das deutsche Werk von der Schließung des belgischen Standorts profitieren.

Eigentlich war geplant, dass das Opel-Werk in Antwerpen 2010 weiter Astra-Modelle montieren sollte: 5.000 Kombis, 6.000 Cabrios und 30.000 Dreitürer.

Doch diese werden ab Juni, wenn Antwerpen durch den Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) dicht gemacht wird, im Bochumer Werk montiert.

Dazu müssen allerdings in diesem Stammwerk des Rüsselsheimer Autobauers noch rund 17 Millionen € investiert werden, um die Bänder dort anzupassen.
 

Krisensitzung in Antwerpen

Am Dienstag trafen sich Betriebsräte und Gewerkschaftsräte aus allen europäischen Opel- und Vauxhall-Werken in Antwerpen, um gemeinsam eine Betriebsversammlung abzuhalten. Dabei war auch Opel-Betriebsratsvorsitzender Klaus Franz (Foto).

Dieser sagte nach dem Treffen, dass die Gewerkschaften GM nicht mehr trauen würden. "Aber", so Franz, "die Arbeiter lassen sich nicht provozieren. Wir haben das Recht und die wirtschaftlichen Argumente auf unserer Seite."

Nach dem Aus für den Standort Antwerpen scheint sich die Situation zwischen Arbeitnehmern und dem neuen Opel-Chef Nick Reilly wieder zuzuspitzen. Die Gewerkschaften lehnen nach der Schließungs-Ankündigung für Antwerpen einen Sanierungsbeitrag der Mitarbeiter kategorisch ab. Streiks sollen aber das letzte Mittel sein. Die Arbeitnehmervertreter setzen also auf Verhandlungen.

Opelaner machen Mobil

Derweil regt sich überall Widerstand gegen die Schließungspläne für Antwerpen. Der deutsche IG-Metall-Verbandschef Berthold Huber sagte dazu, dass man die geplante Schließung des belgischen Werks in Antwerpen nicht akzeptieren werde.

Die Opelaner werten den Schritt von GM, den belgischen Standort zu schließen, als Wortbruch, denn Antwerpen sei der Bau eines Geländewagens zugesagt worden.

Vom Aus für das Werk sind 2600 Mitarbeiter betroffen. Für sie war am Dienstagmorgen der erste reguläre Arbeitstag, nachdem sie am vergangenen Donnerstag offiziell über die Pläne informiert worden waren.

Ein genauer Termin für die Schließung steht noch nicht fest, jedoch könnte nach dem internen GM-Papier die Sache schon im Juni über die Bühne gehen (siehe oben).

Reilly verteidigt die Schließung

Unterdessen verteidigte Opel-Chef Nick Reilly die geplante Schließung des Standortes Antwerpen. Am Dienstag sagte er in Rüsselsheim, dem Stammsitz der deutschen Traditionsmarke, dass Opel auch nach dem Wegfall von Antwerpen immer noch eine Kapazität von jährlich zu bauenden Autos von 1, 5 Millionen Fahrzeugen habe.

Angesichts der zu erwartenden schwachen Märkte in Westeuropa in den kommenden zwei bis drei Jahren müsse die Kapazität reduziert werden: „Selbst, wenn der Markt wieder anzieht, wenn wir unsere Marktanteile noch ausbauen und auch auf anderen Märkten wachsen, haben wir noch ausreichend Möglichkeiten zur Verfügung.“

Bis 2011 will Reilly 8.000 der derzeit 48.000 Arbeitsplätze bei Opel abbauen und auf den Markt, wie er für 2012 erwartet wird, gesund schrumpfen. Kritik nach der Schließungs-Ankündigung für Antwerpen von Seiten der Gewerkschaften habe er erwartet: „Ich hoffe aber, dass sie begreifen, dass dieser Schritt als Teil des Ganzen notwendig ist, wenn wir wieder erfolgreich werden wollen.“

Im vergangenen Jahr mussten Opel und Mutterkonzern GM Milliardenverluste hinnehmen.