"Alles dreht sich um Energie"

In Schloss Nieuwenhoven entsteht das erste Ökodorf von Flandern. Eine Wohngemeinschaft hat sich hier zum Ziel gesetzt, das 1.000-jährige Schloss in einen "Hafen der Inspiration" zu "verzaubern". Die Gemeinschaft lebt in Einklang mit der Natur.

"Denk immer daran, wenn Du Licht im Wohnzimmer anmachst, muss für jede Lampe, die Du brennen lässt, eine Person im Keller einen ganzen Tag lang auf einem Fahrrad demmeln, um die Energie hierfür zu erzeugen", so die wichtige Erkenntnis der kleinen Wohngemeinschaft auf Schloss Nieuwenhoven im flämischen Limburg.

Die Wohngemeinschaft besteht derzeit aus etwa zehn Bewohnern. Die jüngste Bewohnerin ist einige Monate jung, der Älteste um die fünfzig Jahre. Außerdem sind ständig internationale ehrenamtliche Helfer und vorübergehende Bewohner zu Besuch, so dass die Zahl der Schlossbewohner meistens um die fünfzehn beträgt.

Es gibt keine Hierarchie, statt dessen jede Woche Rücksprache mit den anderen.

2007 kaufte Jaeanne Hoogenboom mit Unterstützung von Stef van Campenhout und einer 2003 gegründeten Kerngruppe das Schloss Nieuwenhoven. Hoogenboom ist unter anderem Coach des Trainings "der Lebenszyklus". Menschen lernen hierbei ihr Denken, ihre Gefühle und ihr Handeln zu beherrschen und zu sich selbst zu finden. Mit dem Kauf des Schlosses und dem Start des Ökodorf- und Jugendprojekts hat sie sich einen Traum verwirklicht, nämlich einen Platz zu schaffen, an dem die Menschen den Inhalt ihres Trainings umsetzen und ihre Sehnsüchte verwirklichen können.

Es ist eine Lebensphilosophie, die die Wohngemeinschaft von Schloss Nieuwenhoven lebt. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, das 1.000-jährige Schloss in einen "Hafen der Inspiration" zu "verzaubern". Die Wohngemeinschaft lebt in Einklang mit der Natur. Permakultur ist Grundlage dieser Lebensphilosophie. Es ist ein Modell, das auf natürlichen Ökosystemen als Ausgangspunkt für die tägliche Gemeinschaft und gemeinsame Arbeit beruht.

Nicht jeder kann sich der Wohngemeinschaft deshalb einfach so anschließen. Zunächst müssen Kandidaten einem Wohnprogramm von drei Monaten folgen, erst danach bekommen sie einen Mietvertrag.

Erstes Ökodorf-Projekt in Flandern

Das Schloss hat sich jüngst GEN - the Global Ecovillage Network - angeschlossen. GEN vereint eine Vielfalt von Projekten, die konkrete Beispiele für ein "anderes" Leben sind, für einen sensibleren und kreativeren Umgang mit Mensch und Natur. GEN unterstützt den Erhalt der Erde und die Schaffung von harmonischen Gemeinschaften durch die Verbreitung der Idee der Ökodörfer durch Informationsaustausch, Partnerschaften, Bildungs- und Netzwerksarbeit.

Das Schloss Nieuwenhoven ist das erste Projekt in Flandern, das sich GEN angeschlossen hat. Seine Bewohner wollen also eine Lebensweise schaffen, die sozial und ökologisch nachhaltig ist. Mit ihrem Ökodorf-Projekt verwirklichen sie ökologische Konzepte und Theorien.

So wurden bislang an die 3.500 Bäume angepflanzt. Das Holz wird für Renovierungsarbeiten und zum Heizen genutzt. Die frühere Monokultur auf dem Gelände um das Schloss herum wird in einen Nutzgarten mit Obstbäumen und Beerensträuchern umgewandelt. Die Schlossküche bedient sich direkt aus dem biologischen Gemüsegarten, der nach dem Prinzip der Permakultur angelegt ist. Der Gemüsegarten wird also nach dem Prinzip der Selbstversorgung ohne Abfall und ohne Energieverschwendung bearbeitet.

Derzeit wird außerdem im Schlossteich eine natürliche Kläranlage getestet, eine Art lebende Pflanzenfabrik.

Young Life Art Program

Für Jugendliche ab 18 Jahren, die nicht wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen, bietet das Schloss das Young Life Program an. Die Jugendlichen erhalten im Schloss den nötigen Freiraum, "um aktiv und kreativ erwachsen zu werden", so heißt es auf der Webseite des Schlosses Nieuwenhoven in Sint-Truiden. Gemeint ist, dass die Jugendlichen hier kräftig mit anpacken lernen und dabei den für sie richtigen Weg für die Zukunft finden können.

Ein Lehrer, der eine berufliche Auszeit genommen hat, hat dieses Pogramm ins Leben gerufen. Er sei froh, so erzählt er in einem Artikel in der Zeitung De Standaard, dass das Schloss keine isolierte Öko-Oase sei. Ziel sei nämlich auch, so viele interessierte Personen wie möglich von draußen hinter die Schlossmauern zu locken und für das gesamte Öko-Projekt zu begeistern.