Europalia: "Die drei Träume des Mandarin"

Einzigartige Objekte aus Bronze, Porzellan, Jade sowie Gemälde und Kalligrafien aus dem Haupstadtmuseum von Peking werden von Werken anderer Herkunft, zum Beispiel aus dem Brooklyn-Museum New York oder dem Museum Rietberg in Zürich ergänzt.

Ist es ein Duft von Lotusblüten, der den Besucher dieser Ausstellung umnebelt? Nein, das sei Einbildung antwortet Alizée Geernaert, die Koordinatorin für Führungen der Ausstellung "Die drei Träume des Mandarin" im ING Kulturzentrum in Brüssel. Der Duft stamme wohl eher von der Konservierung der Werke.

Unbezahlbahre Werke seien darunter, einzigartige Stücke zum Leben des Mandarin und des Gelehrten in China vom 16. bis zum 18. Jahrhundert.

"Mir gefallen die Gemälde, also die Papierrollen des Malers Shitao am besten. Insgesamt ist die Ausstellung sehr gelungen. Sie ist einfach raffinierter und es gibt mehr Kunstgegenstände und mehr Gemälde als in anderen Ausstellungen", erzählt die Besucherin und Kunstlehrerin Muriel Weis.

Viele sehr wertvolle Malereien und Jade-Stücke stammen aus dem Pekinger Hauptstadtmuseum, mit dem der Veranstalter, die Großbank ING Belgien, für die Ausstellung eine priviligierte Partnerschaft eingegangen ist.

"Es war sehr schwierig, die Stücke hierher zu bekommen", betont Geernaert noch, "denn außer dass dort fast niemand französisch oder englisch versteht, haben die Chinesen sehr strenge Vorschriften, was den Transport der Stücke betrifft. So muss zum Beispiel die Feuchtigkeit stimmen." Etwa ein Jahr hat es dann auch gedauert, um die Ausstellung nach Brüssel zu bekommen.

Diese ist nicht chronologisch angeordnet, sondern nach Themen. Der erste Teil der zweiteiligen Ausstellung, eine allgemeine Eklärung über die Mandarine, ist deshalb auch sehr wichtig. So kannte China über ein Jahrtausend lang ein einzigartiges politisches System, das auf einem äußerst strengen Ausleseverfahren zur Rekrutierung seiner Beamten beruhte. Die Prüfungen deckten einen immens großen Textkorpus ab, der bis zu Konfuzius zurückreichte (551-479 v. Chr.). Geprüft wurde sowohl das Wissen, als auch stilistische und kalligrafische Fähigkeiten. Die Beamten brachten also beeindruckende intellektuelle Fähigkeiten mit. In diesem Kontext entwickelte sich eine Kultur der Gelehrten. Man musst jedoch nicht unbedingt Mandarin sein, um zu den Schriftstellern zu gehören und umgekehrt waren nicht alle Mandarine Schriftsteller.

"Die drei Träume"

"Der Besucher erfährt viel über die Situation des Literaten, über seinen professionellen und vor allem auch über seinen sozialen und kulturellen Hintergrund", findet der 41-jährige Besucher Ronald Hames. Nach seiner Reise nach China sei diese Ausstellung im Rahmen des Europalia Kunst- und Kulturfestivals in Belgien nun ein "Muss" für ihn.

Während der erste Teil der Ausstellung den Mandarin, seine Ausbildung, seine Bindung an Meister und Vorfahren, sein Arbeitszeug sowie sein Arbeitsplatz und seine Bibliothek besonders beleuchtet und Objekte aus Bronze, Jade und Porzellan hervorhebt, widmet sich der zweite Teil vor allem der Malerei. Im Mittelpunkt steht der Literat, also der Gelehrte, ohne offizielles Beamtenmandat, der Künstler, Schriftsteller und Dichter.

Die Ausstellung behandelt die "drei Träume" des Gelehrten. "Der Traum in Bambushain" verweist auf die weltanschaulichen Ursprünge des Gelehrten, wie sie seit den ersten Jahrhunderten unserer Zeit anzutreffen sind. "Der Traum unterm schattigen Pflaumenbaum" geht auf das Gefühlsleben des Gelehrten ein. "Der Traum des Schmetterlings" behandelt das enge Verhältnis der Chinesen zur Natur.

So tauchen in der Ausstellung immer wieder die Symbole Bambus (Widerstand), Pflaume (Zartheit) und Lotus (Reinheit) auf. Als Beispiel sei eine Teekanne aus Steingut in Form eines Bambusknotens genannt. Sie ist aus dem Jahre 1860 und stammt aus einer Privatsammlung in Yixing. Weitere Beispiele sind unter anderen ein Hutständer in Form eines Bambusblocks aus 1820, auch dieses Stück stammt aus einer Privatsammlung und der mit Blättern des Pflaumenbaums geschmückte Pinseltopf aus weißer Jade.

Prunkstücke der Ausstellung

Als Prunkstücke der Ausstellung kann man wohl außer einem Porträt des Malers Shitao, auch die Kopfstütze aus Porzellan in Form einer Opernszene aus der Yuan-Dynastie (1277-1368), den Zweig eines Pflaumenbaums, Tusche auf Papier (Papier ist übrigens eine Erfindung Chinas) aus dem 18. Jahrhundert von Luo Ping sowie einen Druckerstein in Form eines Schmetterlings oder die Bananenblätter und Pflaumenbaumäste, Tusche auf Papier von Xu Wei aus dem 16. Jahrhundert nennen.

Ein bisschen eintönig seien die Gemälde, wenig Farbe sei in der Ausstellung, findet die Besucherin Christine De Ridder aus Mons, aber dafür sei die Ausstellung sehr beruhigend, sehr "Feng Shui*" (*ein in China begründeter Teil der daoistischen Philosophie, deren Ziel eine Harmonisierung des Menschen mit seiner Umgebung durch eine besondere Gestaltung der Wohn- und Lebensräume ist).

Viele Besucher wägen sich schon am Ende der Ausstellung und übersehen dabei fast die prachtvollen Frauenkleider ein Stockwerk tiefer, nämlich im Keller des Gebäudes auf dem Koningsplein im Herzen Brüssels.

Ronald Hames hat die Frauenkleider nicht übersehen, denn er fand die Stickereien, wie er sagt, am schönsten. Er sei extra für die chinesischen Stücke aus Ostende zur Ausstellung hierher gekommen, fügt er noch hinzu.

Was er nicht gelesen hat auf den Tafeln neben den Ausstellungsstücken ist, dass diese schönen Frauenkleider aus dem Königlichen Kunst- und Geschichtsmuseum von Brüssel ausgeliehen sind und somit bestimmt auch noch nach Ende der Ausstellung, die noch bis zum14. Februar 2010 läuft, in Brüssel zu sehen sind.

                                                                                                                                                                                                   Uta Neumann