Neun Tote in den Trümmern des Hauses

In Lüttich sind seit Mittwochabend neun Tote aus den Trümmern des in der Nacht zum Mittwoch explodierten und später eingestürzten Hauses geborgen worden. Möglichweise liegen noch weitere Leichen in den Trümmern.

Die Chancen, noch lebende Menschen zu finden, sind äußerst gering, so Feuerwehr und Rettungskräfte. Derzeit suchen die Retter des Zivilschutzes mit Maschinen, aber auch mit bloßen Händen nach weiteren Opfern.

Belgiens Innenministerin Annemie Turtelboom (Open VLD) und Lüttichs Bürgermeister Willy Demeyer (PS) gehen davon aus, dass sich unter den Trümmern des eingestürzten Hauses noch 15 bis 20 weitere Todesopfer befinden könnten. Dies schließen sie unter anderem aus den Aussagen von Bewohnern, die aus dem Gebäude gerettet werden konnten.

Suchhunde können nichts ausrichten, da die Trümmer des Hauses stundenlang nach dem Einsturz an verschiedenen Stellen gebrannt hatten. Dadurch waren von Menschen ausgehende Gerüche für die empfindlichen Hundenasen nicht mehr auszumachen.

Die Aufräumarbeiten können noch Tage dauern. Einige der benachbarten Häuser drohen ebenfalls einzustürzen. Am frühen Donnerstagmorgen wurden die Arbeiten sogar unterbrochen, um eines der beiden Nachbarhäuser abzustützen.

Neun Tote konnten bisher geborgen werden, weitere werden noch gesucht. Die Identifikation der Leichen ist sehr mühsam, denn in den Trümmern hatte es gebrannt und Trümmer und Löschwasser sorgten für weitere Entstellungen.

21 Verletzte

Insgesamt konnten die Rettungskräfte 21 Verletzte bergen, von denen sich drei in kritischem Zustand befinden. Mittwochmittag konnte noch ein 13 Jahre altes Mädchen lebend geborgen werden. Das Kind war wie durch ein Wunder nur leicht verletzt.

Der Ort des Geschehens ist weiträumig abgeriegelt worden, trotzdem gelang es einigen eiskalten Personen im Zuge des Chaos noch, Gegenstände aus teilweise zerstörten Schaufenstern von beschädigten Geschäftslokalen zu stehlen. Die Lütticher Polizei konnte einige Plünderer festnehmen.
 

Premier Leterme besuchte den Ort des Geschehens

Am Donnerstagvormittag besuchte eine Delegation der belgischen Bundesregierung den Ort des Dramas in Lüttich.

Neben Premierminister Yves Leterme (CD&V) gehörten auch die beiden aus der Ardennenmetropole stammenden Bundesminister Didier Reynders (Finanzen, MR) und Michel Daerden (Pensionen, PS) zu der Abordnung.

„Jeder von uns ist betroffen und fühlt Machtlosigkeit und Trauer. Die größte Sorge gilt jetzt den Bergungsarbeiten und der Suche nach weiteren Opfern unter diesen schwierigen Umständen.“, so Leterme.

Vorsatz nicht ausgeschlossen?

Die Lütticher Justiz hat eine Untersuchung nach den Umständen des Vorfalls begonnen. Hinweise auf eine vorsätzlich herbeigeführte Explosion liegen nicht vor, doch wird diese Möglichkeit nicht ausgeschlossen.

Der Besitzer des eingestürzten Gebäudes kann nicht genau angeben, wie viele Mieter tatsächlich in seinem Haus wohnten. Unter den Mietern waren viele junge Leute und Studenten.

Er gab gegenüber den Behörden an, dass er alle Versorgungsleitungen, also auch die Gasanlagen, jährlich habe kontrollieren lassen. Die Staatsanwaltschaft wird alle Bewohner des Hauses, die das Drama überlebt haben, als Zeugen verhören.