Demonstration für Arbeit und Gerechtigkeit

Am Freitagvormittag gingen tausende Mitglieder der drei großen Gewerkschaften des Landes (sozialistische, christliche und liberale) für mehr Arbeit und soziale Gerechtigkeit auf die Straße. Anlaß war die Schließung des Opelwerks in Antwerpen. Dort verlieren 2.600 Menschen ihren Arbeitsplatz.

Die Polizei zählte an die 27.000 Demonstranten, laut Gewerkschaften waren es 35.000. Die Kundgebung hatte um 11 Uhr am Schumanplatz im Europaviertel in Brüssel begonnen. Die Demonstranten zogen über die Wetstraat weiter in Richtung Nordbahnhof. Gegen 13 Uhr war die Demonstration zu Ende.

Vor Beginn der Demonstration hielten die Gewerkschaftsführer Ansprachen mit ihren Forderungen. Sie wollen, dass die allgemeine Lage auf dem Arbeitsmarkt verstärkt in den Mittelpunkt des Interesses gerückt wird.

"Meine Damen und Herren, wir wollen Arbeit!", so der Präsident der sozialistischen Gewerkschaft Rudy De Leeuw von der ABVV und er fügte hinzu: "Unternehmerisch handeln, bedeutet nicht, Mitarbeiter zu entlassen, um die immer gierigeren Aktionäre bei Laune zu halten."

Der Tenor lautete letztendlich jedoch: "Hört auf zu jammern. Sucht lieber zusammen mit uns einen Ausweg aus dieser Krise, wie wir Arbeitsplätze schaffen und wie wir unser Sozialmodell schützen und stärken können." Der Präsident der christlichen Gewerkschaft ACV, Luc Cortebeeck, schlug vor, gemeinsam einen Schritt in Richtung Europa zu machen.

Keine reine Opel-Demo

Am Montag beschwerten sich die belgische, flämische, wallonische und Brüsseler Arbeitgeberorganisation, dass sie zum Sündenbock für alles, was in der Wirtschaft schief läuft, gemacht würden. Sie baten um Respekt und forderten mehr Unterstützung und Freiräume, um unternehmerisch handeln zu können.

Als Antwort darauf gaben die Gewerkschaften zu verstehen, dass es für die Arbeitgeber gar nicht so schlecht laufe, wie sie durchblicken ließen. Wenn die Unternehmen um Respekt bitten, dann wollen wir Arbeit und Respekt für die Arbeitnehmer, heißt es bei den Gewerkschaften.

Die Demo führte die Opel-Delegation an. Außerdem fuhr ein Sattelschlepper mit einem kaputten Opel Astra mit als Symbol für das Dumping der Arbeitnehmer dort. Die Demonstration sollte jedoch keine reine Opel-Demonstration werden.

In den vergangenen Wochen wurden auch Entlassungen und Umstrukturierungen in zahlreichen anderen Unternehmen hierzulande angekündigt. Außerdem versuchte AB InBev Menschen vor die Türe zu setzen, obwohl der Bierbrauer und das Management große Gewinne einfahren. Eine Schande sei das, finden die Gewerkschaften.

Forderungen der Gewerkschaften

Die Gewerkschaften fordern, dass Unternehmen keine staatlichen Subventionen mehr bekommen dürften, ohne Arbeitsplätze dabei zu schaffen. Außerdem müssten Jugendlichen und Arbeitslosen mehr Beachtung geschenkt sowie Arbeitsplätze in den öffentlichen Diensten mehr in den Mittelpunkt gerückt werden.

Inzwischen müsse das strenge Kontrollsystem über Zuwendungen für Arbeitslose auf Eis gelegt werden, weil eine Drohung mit der Streichung von Arbeitslosengeld in solchen Krisenzeiten laut Gewerkschaften eine Hexenjagd sei.

Der ehemalige Präsident des belgischen Unternehmerverbandes VBO, Luc Vansteenkiste, sagte am Donnerstag der VRT, dass diese Konfrontation zwischen den Sozialpartnern auffallend sei. Außerdem sei dies für ein Land, das für seine Sozialverhandlungen bekannt ist und ständig Kompromisse eingeht, eher selten.

Premierminister Yves Leterme hat erneut dazu aufgerufen, den Sozialdialog wieder aufzunehmen. Der Sozialdialog zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern befindet sich schon seit langem in einer Sackgasse. Der Ton wird immer schärfer zwischen den Sozialpartnern.

Die Gewerkschaften und die Arbeitgeber sind für den 8. Februar zu Beratungen mit der Regierung eingeladen.