Buizingen: Lokführer war Wiederholungstäter

Der Lokführer, der vergangene Woche die Zugkatastrophe in Buizingen verursachte und überlebte hat schon einmal ein rotes Signal ignoriert. Das berichten am Samstag verschiedene Zeitungen, und auch die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB bestätigte dies inzwischen.

Unterdessen ist im Zugverkehr zwischen Brüssel, Mons und Tournai noch während der ganzen kommenden Woche mit erheblichen Behinderungen zu rechnen. Einige Eurostar-Züge von und nach London fahren aber schon wieder.

Der Lokführer, von dem vermutet wird, dass er am vergangenen Montag die Zugkatastrophe, bei der 18 Menschen ums Leben kamen, verursachte, weil er ein rotes Haltesignal ignorierte, hat im März 2009 schon mal ein Haltezeichen übersehen. Dies bestätigte die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB.

Damals musste der Mann mit einem leeren Zug im Schritttempo durch eine Waschanlage fahren. Der Fehler wurde bemerkt, und der Lokführer erhielt deswegen eine Abmahnung. Er wurde deshalb für einige Tage unbezahlt vom Dienst suspendiert.

Der ehemalige Berufssoldat ist seit 2008 Lokführer. Er wurde am Freitag zum ersten Mal von der Polizei vernommen und bleibt dabei: Das Signal in Buizingen sei grün gewesen. Das wird jetzt von den Ermittlern überprüft.
 

"Das Signal war rot"

Bilder aus dem elektronischen Stellwerk am Bahnhof Brüssel Süd/Midi belegen, dass das überfahrene Signal, das am vergangenen Montag zur Zugkatastrophe von Buizingen führte, auf rot geschaltet war. Diese Information stammt von Luc Pauwels von der unabhängigen Eisenbahnergewerkschaft OVS.

Im Weichen- und Signalstellwerk von Brüssel Süd/Midi werden alle Vorgänge von Sekunde zu Sekunde registriert. Das Logbuch, in dem dies alles enthalten ist, befindet sich derzeit in Händen der zuständigen Ermittler, die eigentlich nichts dazu an die Öffentlichkeit durchlassen.

Doch die elektronisch festgehaltenen Bilder des Stellwerks belegen offenbar, dass das Signal bereits einige Minuten vor der Durchfahrt des Zuges rot war. Der betroffene Lokführer hatte bei einer ersten Befragung im Krankenhaus angegeben, dass das Signal auf grün gestanden habe.

Doch, dies beweist noch nicht, dass der Lokführer des Zuges, der den Unfall überlebte, auch wirklich Schuld trägt, denn ein technischer Defekt an Signal oder Triebwagen kann noch nicht ausgeschlossen werden, so OVS-Gewerkschaftler Pauwels.

Weiter Behinderungen

Unterdessen steht fest, dass der Zugverkehr zwischen Brüssel und Mons beziehungsweise zwischen Brüssel und Tournai wegen der Zugkatastrophe noch mindestens eine Woche lang erheblich behindert wird.

Stündlich fährt auf diesen Verbindungen nur ein Zug je Richtung. Zwischen Brüssel-Süd und Halle sowie zwischen Buizingen und Halle werden Pendelbusse eingesetzt. Der Fahrplan für Eurostar und Thalys ist noch stark ausgedünnt. Nur drei Züge pro Richtung können derzeit eingelegt werden.

Ein normaler und fahrplanmäßiger Verkehr der Thalys-, Eurostar- und NMBS/SNCB-Züge wird nicht vor dem 2. März möglich sein.