Urteil Ghislenghien: Fluxys freigesprochen

Im belgischen Tournai ist am Montag das Urteil im Strafprozess zur Katastrophe von Ghislenghien verkündet worden, bei der 2004 durch eine Gasexplosion 24 Menschen getötet und 132 verletzt wurden. Dem Richter zufolge treffe Fluxys keine Schuld, da Fluxys nicht von dem Leck habe wissen können.

14 Beschuldigte, darunter der Erdgastransportnetzbetreiber Fluxys sowie ein Bauarbeiter einer anderen Firma, waren angeklagt, das Unglück durch Fehler oder Nachlässigkeit verschuldet zu haben.

Fluxys sei über das verursachte Leck fünf Wochen vor der Explosion nicht informiert worden. Als das Unternehmen dann kurz vor der Explosion von der Feuerwehr über ein Leck informiert wurde, habe es sich völlig korrekt verhalten, hieß es im Urteil. Fluxys wurde deshalb in den 14 Anklagepunkten freigesprochen.

Laut Richter sei es der Branddirektor von Ath gewesen, der für die Sicherheit auf dem Gelände verantwortlich war. Er war vor Ort und ist bei der Explosion ebenfalls ums Leben gekommen.

Der Richter tritt mit seinem Urteil den Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft entgegen. Die Staatsanwaltschaft sah in Fluxys den Hauptschuldigen.

Das Vorlesen des Urteils hat den gesamten Montag in Anspruch genommen. Das Urteil besteht nämlich aus 286 Seiten.

Dem Prozess wohnten mehrere hundert Menschen bei, vor allem Opfer und Angehörige der Opfer.

Am 30. Juli 2004 war im Industriegebiet des Städtchens Ghislenghien, etwa 40 Kilometer südwestlich von Brüssel, beim Bau einer Fabrik eine Gasleitung explodiert. Ein Bauarbeiter gab zu, die Leitung zuvor beschädigt zu haben. Die anderen Angeklagten leugneten jeglichen Schuldanteil.

Nur drei Schuldige

Das Gericht in Tournai hat inzwischen den Architekten Erwin Persoons, die Firma Tramo und seinen Bauleiter Kristof Dewaele der fahrlässigen Tötung wegen mangelnder Vorsichtsmaßnahmen und mangelnder Voraussicht für schuldig befunden.

Architekt und Bauleiter sind zwar für schuldig befunden worden, ihre Strafe wird jedoch ausgesetzt. Die Firma Tramo ist zu einer Strafe von 165.000 Euro auf Bewährung verurteilt worden.

Der Architekt, der für den Bau der Fabrik von Diamant Boart und die Anlage der Zugangswege verantwortlich war, hätte nicht erlauben dürfen, dass mit einer schweren Maschine über einer Gasleitung gearbeitet wird, so der Richter.

Da bereits andere Arbeiten auf dem Gelände durchgeführt worden waren und der Boden abgetragen war, hätte er begreifen müssen, dass die Leitungen nicht mehr so tief lagen und dass das Risiko zu groß war, um mit einem Bagger über den Leitungen zu graben.

Spekulationen, aber keine Beweise

Auch Husqvarna, zum Zeitpunkt der Katastrophe noch Diamant Boart, wurde freigesprochen.

Diamant Boart hatte damals eine neue Niederlassung in Ghislenghien bauen lassen. Laut Richter bestehe kein einziger ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Unternehmen und der Katastrophe. Das Unternehmen hatte sich beim Bau an spezialisierte Firmen gewandt und durfte daher davon ausgehen, dass die Firmen sehr wohl wussten, was sie da taten.

Der Freispruch von Fluxys und Diamant Boart ist ein Schlag ins Gesicht der Staatsanwaltschaft. Der Richter sagte, dass die Staatsanwaltschaft nur spekuliert habe, ohne konkrete Beweise vorgelegt zu haben. Die Staatsanwaltschaft habe Fehler aufzeigen, aber nicht beweisen können, dass diese zur Gasexplosion geführt haben.