"Ich bin Premier von ganz Belgien"

Premierminister Yves Leterme will sich nicht mehr zur Reform Belgiens äußern, so lange im Streit um den Wahlkreis Brüssel-Halle-Vilvoorde keine Lösung gefunden ist. Das sagte Leterme in einem Vortrag über seine Zukunftsvisionen für Belgien am Mittwoch im Rathaus von Wavre.

"Welche Zukunft für Belgien?" lautete der genaue Titel des Vortrags von Leterme. Es war sehr viel los bei dieser Veranstaltung und Leterme zeigte sich äußerst versöhnlich.

Den 800 Zuhörern im Saal erklärte Leterme: "Meine Aufgabe ist es, Premier des Königreichs Belgien zu sein". 

"Erklärungen zu flämischen Empfindlichkeiten, wie die flämischen Randgemeinden Brüssels, überlasse ich anderen Politikern, die sich hiermit eingehend befassen. Ich hoffe, dass Sie verstehen, dass ich mich nicht zu diesen Problemen äußere", so der Premier noch. Er zähle darauf, dass Jean-Luc Dehaene als Sonderbeauftragter zu guten Ergebnissen komme.

Auf die Frage, ob der Premier es normal finde, dass die Anwesenden im Saal aus Wallonisch-Brabant ihn nicht wählen könnten, antwortete Leterme, dass das in der Tat nicht ginge, außer der Reformvorschlag eines belgischen Wahlkreises, das heißt, einer nationalen dreisprachigen Liste, setze sich durch, so dass dann jeder überall im Land gleich welchen Kandidaten aus dem anderen "Bundesland" wählen dürfe.

Bislang ist es den Flamen nicht möglich, einen französischsprachigen Kandidaten in Wallonien zu wählen und Wallonen dürfen wiederum nicht für einen niederländischsprachigen Kandidaten Flanderns stimmen. Eine Ausnahme bildet der zweisprachige Wahlkreis Brüssel-Halle-Vilvoorde. Ist man also mit der Arbeit des belgischen Premiers zufrieden, ist es nur der Sprachgemeinschaft, aus der der Premier stammt, möglich, ihn zu wählen.

All das gehöre jedoch zu den Reformfragen und die wolle der Premier an diesem Abend nicht ansprechen, hieß es.

Den belgischen Bundesstaat bezeichnete der Premier als notwendig, um gemeinsam den Weg aus der Wirtschaftskrise zu schaffen.

Der Premier erhielt jede Menge Applaus von den wallonischen Zuhörern und seine einstige Feststellung in einem Zeitungsinterview, die Wallonen seien nicht intelligent genug, um Niederländisch zu lernen, scheint vergessen und vergeben.