Tunnel unter dem Hafen von Antwerpen?

Die flämische Regierung hat sich am Dienstag prinzipiell für eine Tunnelvariante anstatt eines Viadukts namens "Lange Wapper" zur Schließung des Antwerpener Rings entschieden. Sie lässt nun prüfen, inwieweit so ein Tunnel zur Lösung des Verkehrsproblems in Antwerpen beiträgt.

Im Oktober 2009 hatte die Antwerpener Bevölkerung gegen einen Viadukt, die so genannte "Lange-Wapper-Brücke", gestimmt, die Zwijndrecht und das linke Schelde-Ufer mit Merksem und Deurne verbinden und den Verkehr entlasten soll.

Jetzt hat sich die flämische Regierung prinzipiell für eine Tunnelvariante der "Oosterweel-Verbindung" entschieden. Es soll also geprüft werden, ob solch ein Tunnel machbar und bezahlbar ist. Die zuständige Autorität auf europäischem Niveau muss noch darüber befinden.

Das Projekt der "Langen-Wapper-Brücke" ist allerdings nicht definitiv vom Tisch, sondern wird vorläufig auf Eis gelegt.

Im Sommer sollen ausgearbeitete Vorentwürfe zum Tunnel vorgelegt werden. Diese müssen dann auf vorab festgelegte Bedingungen hin geprüft werden.

Die Wahl ist also prinzipiell auf die Tunnelvariante gefallen, es sei denn der Tunnel erfüllt die Bedingungen nicht. In diesem Fall wird die Regierung sich resolut für die Brückenvariante einsetzen.

Voraussetzungen für einen Tunnel unter der Schelde

Der Tunnel muss der geforderten Kapazität folgen und er darf nicht teurer sein als die Brückenvariante. Er sollte beim Bau den Tunnelrichtlinien entsprechen und die Arbeiten zur Errichtung des Tunnels dürfen nicht länger dauern als beim Brückenbau.

Konkret wird an vier Tunnel mit zwei Mal einer Fahrspur unter der Schelde gedacht, die den Ring im Nordosten der Stadt schließen sollen. Die Strecke ist genau dieselbe wie beim Brückenprojekt „Lange Wapper“.

Außerdem soll eine Lösung zum umstrittenen Anschluss an den Sportpalast vorgelegt werden.

Bei beiden Varianten, also sowohl bei der Brückenvariante "Lange Wapper" als auch bei der Tunnelvariante, soll der alte Viadukt, der sich heute dort befindet, abgebrochen werden. "Was jetzt dort ist, kommt weg", bestätigte der flämische Ministerpräsident Kris Peeters.

Die flämische Verkehrsministerin Hilde Crevits hat inzwischen den Auftrag erhalten, einen Plan mit einem genauen Timing, Budgetvorstellungen und Untersuchungen zu den Strecken zu entwerfen, um ihn der flämischen Regierung vorlegen zu können. Die definitive Entscheidung wird also erst kurz vor der Sommerpause gefällt.

Masterplan 2020 kostet 5 Milliarden Euro

Die "Oosterweel-Verbindung", die den Antwerpener Ring schließen soll, ist nur Teil des Masterplans 2020.

Der neue Masterplan zur Lösung des Verkehrsproblems in und um Antwerpen, der in Flandern schon seit Jahren für heftige Diskussionen sorgt, wird insgesamt 5 Milliarden Euro kosten. Das ist rund eine Milliarde mehr als ursprünglich angesetzt.

In dem Gesamtplan sind auch der Bau neuer Straßen, neuer Schienen für Straßenbahn und Nahverkehr, Fahrradwege und Schiffsrouten enthalten. Da an den neuen Plan einige Projekte hinzu gefügt wurden, liegen die Kosten höher als geplant.

Peeters setzt sich dafür ein, dass sich die Mehrkosten nicht negativ auf andere Projekte, die in der Warteschleife stehen, auswirken.