Belgier in Afghanistan angegriffen

Im Norden Afghanistans waren gestern Abend sechs belgische Soldaten in schwere Kämpfe mit den Taliban verwickelt. Dabei kamen drei deutsche Soldaten um. Die Belgier waren mit einer deutsch-afghanischen Patrouille im Minenräumeinsatz.

Die sechs belgischen Soldaten waren mit Deutschen und Afghanen von etwa 100 radikal islamischen Taliban-Kämpfern in der Nähe von Chahar Dara in einen Hinterhalt gelockt und in stundenlange Kämpfe verwickelt worden.

Bei den sechs Belgiern handelt es sich um Angehörige einer Minenräumeinheit. Sie konnten sich in ihrem gepanzerten Dingo-Fahrzeug in Sicherheit bringen und sind im Laufe der vergangenen Nacht wohlbehalten in ihr Lager im Kundus zurückgelangt. Das bestätigte eine Sprecherin des belgischen Verteidigungsministeriums.

Die deutsche Bundeswehr war im Laufe des mehrstündigen Gefechts rund sechs Kilometer westlich von Kundus mit mehreren Kompanien im Einsatz. Zu einer Kompanie gehören etwa 150 Soldaten. Die Truppe wurde aus der Luft unterstützt, es wurden aber keine Bomben abgeworfen.

Bei den Kämpfen kamen drei deutsche ISAF-Soldaten um und acht weitere wurden verletzt vier von ihnen schwer. Die deutsche Bundeskanzlerin Merkel verurteilte den, wie sie sagte, „hinterhältigen Angriff“ scharf.

Nach dem schweren Gefecht am Karfreitag erschoss die Bundeswehr aus Versehen mindestens fünf afghanische Sicherheitskräfte, die sich einer Fahrzeugkontrolle verweigert hatten. Die Afghanen waren laut Bundeswehr in Zivilfahrzeugen unterwegs gewesen und hatten trotz Aufforderung der deutschen Seite nicht angehalten. Daraufhin schoss ein Schützenpanzer vom Typ Marder auf eines der Fahrzeuge. Der Sprecher der Bundeswehr sagte, man bedauere den Vorfall zutiefst. Das Geschehen werde überprüft. Der Provinzgouverneur sprach von „Missverständnissen“ und forderte, ausländische und afghanische Truppen müssten sich bei Militäroperationen dieser Art untereinander besser abstimmen.
 

Chahar Dara

Bereits Ende 2009 war ein deutsch-belgischer Konvoi von Taliban-Kämpfern angegriffen worden. Auch damals wurden zwei deutsche Soldaten verletzt.

Chahar Dara gilt als gefährlichster der sechs Distrikte im nordafghanischen Kundus. Von dort aus schossen die Taliban in der Vergangenheit wiederholt Raketen auf das Lager der NATO-Friedenstruppe ab.