Bischof bekennt sexuelle Übergriffe

Der Brügger Bischof Roger Vangheluwe tritt zurück. Auf einer Pressekonferenz verlas der Pressechef vom Brügger Bistum das Rücktrittsschreiben von Vangheluwe, in dem es heißt: "Als ich noch kein Bischof war und auch noch kurz während meiner Zeit als Bischof habe ich jemanden aus meinem befreundeten Umfeld sexuell missbraucht".

Auf der Pressekonferenz wurde das Rücktrittsschreiben des Bischofs vorgelesen. "Das alles geschah vor langer Zeit, aber das Opfer scheint für das Leben gezeichnet zu sein. Die Wunde heilt nicht, sowohl bei mir als auch bei dem Opfer. Es tut mir so unendlich leid."

Vangheluwe hat bereits vor längerer Zeit der Familie seine Tat gestanden und um Vergebung gebeten.

"Aufgrund des Medienrummels der letzten Wochen, ist das Trauma nicht mehr zu ertragen. Ich habe Papst Benedictus XVI meinen Rücktritt eingereicht und der Papst hat meinen Rücktritt angenommen. Ich ziehe mich nun zur weiteren Einkehr zurück."

Das Rückktrittsschreiben wurde in Anwesenheit von Erzbischof André-Joseph Léonard, dem Bischof von Tournai Guy Harpigny, der Beschwerden zu sexuellem Missbrauch in der Kirche behandelt und Kinderpsychiater Peter Adriaenssens vorgelesen.

In den vergangenen Wochen sind in verschiedenen Ländern Europas sexuelle Missbrauchsfälle in der Kirche ans Licht gekommen. Belgien war bislang außen vor geblieben.

"In dieser Problematik gibt es keinen Mittelweg"

Auch Erzbischof Léonard (Foto) ergriff das Wort auf der Pressekonferenz. "Wir werden heute mit einer besonders ernsten Situation konfrontiert. Monseigneur Vangheluwe hat, wie jeder andere auch, das Recht, Reue zu zeigen und auf die Barmherzigkeit Gottes zu vertrauen. Was jedoch sein Amt betrifft, so ist es aus Respekt vor der Familie und der Wahrheit unvermeidbar, dass er sein Bischofsamt niedelegt."

Der Erzbischof betonte, dass es "in dieser Problematik keinen Mittelweg" gebe. Der Rücktritt des Bischofs zeige den Willen zur Transparenz auf, den die katholische Kirche von Belgien streng umsetzen wolle. Die Kirche wolle hiermit das Blatt der noch nicht so fernen Vergangenheit, in der man schwieg und  vertuschte, wenden.

"Wir sind Amtsbrüder und uns darüber im klaren, welche Vertrauenskrise sein Rücktritt bei den Menschen hervorruft. Trotzdem hoffen wir, dass die Weisheit siegt und dass  die Bischöfe und Priester nicht zu unrecht in Diskredit geraten. Die Mehrheit unter ihnen führt nämlich ein Leben, das ihrer Berufung entspricht."

"Die Sache ist unfassbar"

"Für die direkten Mitarbeiter des Bischofs und das gesamte Bistum ist die Sache unfassbar", hieß es in einer Erklärung, die der Sprecher (Foto) des Bistums Brügge auf der Pressekonferenz vorlas.

"Das Umfeld des Bischofs ist erstaunt, geschockt und erschüttert, denn es gab keinen einzigen Hinweis darauf , dass der Bischof ein Problem hat. Die Mitarbeiter des Bischofs haben seine Entscheidung zur Kenntnis genommen und respektieren sie. Sie haben auch viel Mitgefühl mit den Opfern."

"Das Wort 'unvorstellbar' ist für uns konkret geworden. Jeder Fall von sexuellem Missbrauch sei einer zu viel, aber es handele sich um Ausnahmen in der Kirche", so der Chef vom Brügger Bistum abschließend.

Es ist sehr außergewöhnlich, dass ein belgischer Bischof zurücktreten muss. Das Kirchenrecht wird nun entscheiden, was weiter geschieht. Erzbischof Léonard hat jedenfalls keine kirchenjuristischen Befugnisse gegenüber einem anderen Bischof.

Die Brügger Staatsanwaltschaft hat inzwischen wissen lassen, dass keine gerichtlichen Ermittlungen gegen Vangheluwe eingeleitet worden sind. Bei der Staatsanwaltschaft wurde auch nicht offiziell Anklage erhoben.