Viele Missbrauchsklagen gegen die Kirche

Die Kommission, die sexuellen Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche in Belgien untersucht, erhielt in den vergangenen Tagen etwa 40 Klagen wegen Fehlleistungen von Kirchenvertretern.

In den vorherigen Monaten wurden dagegen kaum Klagen bekannt. Am vergangenen Freitag kam die Meldung an die Öffentlichkeit, dass Roger Vangheluwe, der Bischof von Brügge, jahrelang ein junges Familienmitglied missbrauchte - auch, als er schon Bischof war.

Das Geständnis des Bischofs und auch der Aufruf von Kardinal André-Joseph Léonard, der neue Primas der Katholiken in Belgien, sexuellen oder anderen Missbrauch in der Kirche zu melden, sorgte offenbar für die Flut an Klagen in nur wenigen Tagen Zeit.

Peter Adriaenssens, der Vorsitzende der Kommission, hatte damit gerechnet, dass es zu solchen Klagen kommen würde, doch das Ausmaß in so kurzem Zeitraum überraschte ihn dann doch: „Eine große Gruppe Betroffene hat bisher noch daran gezweifelt, ob die Kirche dazu bereit war, ihre Klagen zu behandeln.“

Offenbar haben die Betroffenen jetzt mehr Mut gefasst, sich zu äußern. Bei den eingegangenen Klagen handelt es sich um Fälle, die bereits juristisch verjährt sind. Neue Fälle werden an andere Kanäle verwiesen, wie Adriaenssens angab.

Der Psychiater will jetzt einen Aktionsplan erstellen, damit seine Kommission auch die Missbrauchsklagen jüngeren Datums entsprechend behandeln kann, denn derzeit wird sein Ausschuss offenbar von Meldungen überrannt.