150 Anzeigen wegen Missbrauchs in Kirche

Der Ausschuss unter Leitung von Professor Peter Adriaenssens (kleines Foto), der sich mit Klagen über sexuellen Missbrauch befasst, hat bislang fast 150 Anzeigen über sexuelle Übergriffe von Pfarrern erhalten.

Der Ausschuss wird diese Klagen alle untersuchen und sich auch über Beschwerden beugen, die woanders eingegangen sind. Auffallend ist, dass die Mehrzahl der Anzeigen aus Flandern kommen.

Die Zahl der Klagen ist seit letzter Woche Freitag stark angestiegen. Zu diesem Zeitpunkt trat der Bischof von Brügge, Roger Vangheluwe, zurück. Kurz davor war bekannt geworden, dass er einen Jungen jahrelang sexuell missbraucht hatte.

Viele Menschen, die sich an den Ausschuss wenden, sind bereits über 60 Jahre alt und die Person, die sich sexuell an ihnen vergriffen hat, ist häufig schon gestorben, erklärte Eric de Beukelaer, der Sprecher der belgischen Bischofskonferenz am Freitag.

Er rechnet damit, dass in den nächsten Wochen noch zahlreiche weitere Meldungen von Missbrauchsfällen beim Ausschuss eingehen werden.

Guy Harpigny, der Bischof von Tournai und Referent des Ausschusses, hatte vergangenen Freitag die Opfer von sexuellem Missbrauch dazu aufgerufen, sich zu melden.

Briefe in den Bistümern Brügge und Antwerpen

An diesem Wochenende ist während der Messe in allen Kirchen des Bistums Brügge ein Brief der Verwaltung des Bischofs vorgelesen worden. Darin spricht das Bistum sein Mitgefühl für die Opfer aus. In dem Brief steht auch, dass die Kirche eine schwere Krise durchmache und dass viele Menschen enttäuscht und traurig seien. Die Gläubigen sollen sich Zeit lassen, um alles zu verarbeiten und ihren Glauben trotz allem nicht verlieren.

Auch im Bistum Antwerpen ist an diesem Wochenende ein Brief verlesen worden. In dem Brief von Johan Bonny, Bischof von Antwerpen, wird die Frage gestellt, wie die Kirche mit den schmerzlichen Ereignissen umgehen soll. Im Mittelpunkt stünden die Opfer, deshalb müsse alles getan werden, damit sie Gehör und Solidarität finden und bald wieder gesund werden, heißt es.

Bonny fordert außerdem weltweit bessere Regeln und Verfahren in der Kirchengemeinschaft, um gegen Missbrauchsfälle besser vorgehen zu können.