Starkes Signal der Eurozone

In Brüssel haben die Staats- und Regierungschefs der Eurozone Samstagnacht den jüngsten Spekulationen gegen den Euro und einige südeuropäische Staaten den Kampf angesagt. Sie einigten sich auf ein starkes Signal.

„Wir werden den Euro verteidigen, gleich was es kosten mag", machte EU-Kommissionspräsident José-Manuel Barroso am Freitagabend klar. So setzten die Euroländer nicht nur den beispiellosen Rettungsplan für Griechenland auf die Schienen, es wurden auch schon erste Lehren aus dem Desaster gezogen.

Der Präsident der Eurozone, Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker, sprach das offen aus, was offenbar die meisten seiner Kollegen denken: es gebe offenkundig einen weltweiten, systematischen, organisierten Angriff auf die Eurozone. Und dagegen werde man geschlossen und konsequent vorgehen.

So viel ist sicher: Die letzten Tagen waren für den Euro und die europäischen Börsen buchstäblich die Hölle. Und es bedurfte eines starken Signals. Nicht nur, dass die Staats- und Regierungschefs der Eurozone das Rettungspaket für Griechenland auf die Schienen setzten: 110 Milliarden Euro für Athen innerhalb der kommenden 3 Jahre.
 

Rettungsmechanismen

Man zog auch schon erste Lehren aus dem Desaster. Um einen Domino-Effekt wirklich im Keim zu ersticken, wird insbesondere ein Rettungsmechanismus festgelegt.

Der scheidende belgische Regierungschef Yves Leterme (Foto) bezeichnete diese Einigung schon als "historisch". Bilaterale Hilfen seien jetzt Geschichte, stattdessen gebe es künftig ein wirklich gemeinsames Werkzeug, was auch viel schnellere Interventionen ermögliche.

Tatsächlich soll unter anderem auch ein Rettungsfonds vorgesehen werden. Auch sind strengere Kontrollen der Ratingagenturen und Börsenmakler geplant. Das Ganze soll spätestens Sonntag von den Finanzministern der Eurozone festgeklopft werden. Außerdem verpflichten sich alle Euro-Staaten zu verstärkter Haushaltsdisziplin.

Leterme findet: „Wir haben zu lange gezögert, um Griechenland zu helfen. In Zukunft muss die Europäische Union sehr viel schneller handeln, wenn Mitgliedsstaaten Finanzprobleme haben.“
 

Auch in Brüssel: Panik an der Börse

Die europäischen Börsen erlebten Freitag einen weiteren schwarzen Tag. Kurz vor Beginn des Brüsseler Sondergipfels der Staats- und Regierungschefs über die Griechenlandkrise notierten sie Verluste bis zu 5 Prozent.

Zum vierten Mal in Folge verzeichneten die europäischen Börsen im Laufe des Tages einen starken Rückgang. Der Brüsseler Börsenindex Bel 20 sank am Nachmittag um 4.2 Prozent unter 2.300 Punkte, Euronext um 4.4%.

Größte Verlierer waren die Bankenaktien.

Eine britische Börsengesellschaft hat unterdessen ihren Kunden angeraten, gegen die Belgischen Staatspapiere zu spekulieren, meldete die Financial Times auf ihrem Blog. Die Gesellschaft prangert die belgische Staatsschuld an und behauptet, seine Finanzlage sei schlechter als die der Mittelmeerländer und Irlands. Die innenpolitische Krise hindere die belgische Regierung daran, effiziente Maßnahmen gegen die Verschuldung zu ergreifen.