‚Rerum Novarum’: Rente ab 65 Jahre

In seiner Rede zu ‚Rerum Novarum’, dem Fest der christlichen Arbeiterbewegung Belgiens, stellt der zurückgetretene christdemokratische Regierungschef (Foto) fest, er bestehe auch in Zukunft auf der Rente ab 65 Jahre.

Gleichzeitig betonte er aber, dass die Lebensarbeitszeit aller Belgier länger ausfallen muss. „Mehr Menschen als bisher müssen auch tatsächlich arbeiten bis sie 65 Jahre alt sind. Ab 65 muss aber auch in Zukunft jeder in Rente gehen können“, sagte Leterme.

Während seiner dreijährigen Regierungszeit, seien die niedrigsten Renten und Krankengeldbezüge um 8 Prozent mehr gestiegen als die Lebenshaltungskosten. In den kommenden Jahren fehle aber das Geld für mehr. „Deshalb sind alle großen Wahlkampfversprechen, die Milliarden kosten, völlig unrealistisch“, so Leterme.

Leterme will sich für ein verbessertes Funktionieren der Behörden stark machen. „Von größter Bedeutung ist die Betrugsbekämpfung. Dies hat bereits erste Früchte abgeworfen.“

Leterme sprach auch die Staatsreform an. „Vor drei Jahren war ich einer der Ersten, der klarstellte, eine solche Reform sei dringend notwendig. Heute besteht, wenigsten in Worten, ein allgemeines Einverständnis, was die Notwendigkeit einer solchen Staatsreform betrifft, die den Bundesländern – Regionen und Gemeinschaften – zusätzliche Kompetenzen gibt“, so Yves Leterme, der aber betonte, eine solche Reform sei nur mit einem Dialog zwischen Flamen und Französischsprachigen machbar.
 

ACW: Armutbekämpfung vorrangig

Die ACW, der Dachverband der christlichen Arbeiterbewegung, drängt darauf, dass die neue Regierung nach den Wahlen vom 13. Juni sich vor allem für mehr Beschäftigung und die Bekämpfung der Armut einsetzt.

ACW-Vorsitzender Jan Renders (Foto) hielt seine letzte ‚Rerum Novarum’- Rede und stellte klar, die Wirtschaft müsse wieder im Dienste der Gesellschaft stehen. „Das ist das Gegenteil einer Wirtschaft, die sich nur an den Profiten orientiert und der Heuschrecken der Finanzmärkte, die schamlos spekulieren und der Gesellschaft die Stabilität rauben.“

Deshalb werde eine verantwortungsbewusste Regierung gebraucht, die sich den sozialwirtschaftlichen Herausforderungen stelle und sich nicht nur um die flämisch-französischsprachigen Gegensätze kümmere. Der Erhalt des sozialen Netzes und die Bekämpfung der Armut müssten Prioritäten sein, die mit einer gerechteren Besteuerung finanziert werden muss.

Luc Cortebeek, der Vorsitzende der christlichen Gewerkschaft kritisierte die Finanzwelt. Schuld an der hohen Staatsverschuldung seien „die Schurken der Finanzmärkte“.
 

Was ist ‚Rerum Novarum’

1891 forderte Papst Leo XIII. in seiner Enzyklika ‚Rerum Novarum’ mehr Rechte für die arbeitenden Bevölkerungen. Er sprach sich für gerechte Löhne, das Recht auf Eigentum (für ihn ein Naturrecht), starke Arbeiterverbände, Solidarität mit sozial Schwachen und ein stärkeres Eingreifen der Staaten in den Markt ein.

Mit der Enzyklika ‚Rerum Novarum’ wollte der Papst einen sozialen Weg aufzeigen, der sich von den damaligen sozialistischen und liberalen Ideen absetzte.

Die christliche Arbeiterbewegung feiert ihr ‚Rerum Novarum’-Fest immer an Christi Himmelfahrt, genau wie die Sozialisten das ‚Fest der Arbeit’ am 1. Mai feiern.